Real Fainal – eine Ausstellung mit den Erinnerungen an ein Haus

KOBE, Galerie 200l  8.03. – 29.03.

Die Galerie 200l muß man kennen, sonst ist es schwer sie zu finden, obwohl sie sehr nahe am Hauptbahnhof Kobe liegt. Hinter den Zahlen 200 steht ein senkrechter Strich, der eine 1 meinen kann, aber nicht muß. Kanako hatte sie als zweite Galerie zum sonntäg- lichen Besuch ausgesucht.
Die Galerie ist im oberen Geschoss einer niedrigen Gebäudezeile unter einer aufgeständerten Autostraße. Es sind zwei steile Treppen mit wenig Trittfläche von der unteren Straßenebene zum Galerie- raum. „Galerie“ wollte der Betreiber mir gegenüber den Raum nicht nennen und als gallery owner nicht bezeichnet werden. Aber er „bespielt“ diesen Raum und das offensichtlich durchaus „profes- sionell“. Er war in Kassel auf der vorletzten dokumenta als Besucher.
Als wir den Raum betraten, war er entlang der L-förmigen Wände bereits voll besetzt – was sehr wörtlich genommen werden darf. Den Wänden entlang saßen Besucher auf dem Boden oder auf niedrigen Hockern und hörten aufmerksam und häufig lachend einem Mann (etwa 50?) zu, der mit ausholender Gestik redete und dabei ruhig grünen Tee zubereitete. Überall standen Bambus-Schälchen mit süssem Gebäck oder knackigen Reiskräckern herum. Der grüne Tee, der aussah wie eine sämige Spinatsuppe, machte in klobigen Bambus-Schalen die Runde. Leicht war aus ihnen nicht zu trinken, aber sie sahen derb und gut aus. Nach dem ersten Mann redete ein zweiter und dann noch ein dritter. Wer wer war und worüber geredet wurde, war mir erst einmal nicht klar. Unabhängig vom Reden riß der Strom der herumgereichten Bambus-Schalen nicht ab. Die Wände des Raumes war mit Fotos beklebt, die Objekte und Details eines offensichtlich durch Brand zerstörten Hauses zeigten. Auch ein Monitor zeigte Filmaufnahmen eines niedergebrannten Hauses.
Auf dem Boden des Raumes und auch auf zahlreichen Fotos befanden sich Kränze, im Film konnte ich das Be- und Umwickeln dieser Kränze beobachten. Der Mann in der Mitte, der am längsten geredet hatte, verarbeitete natürliches Material zu diesen Kränzen, die mir wie zu einer Beerdigung gemacht schienen. Das passte gut zu den Bildern (und Fotos) des Brandhauses. Eine Trauerfeier war das ganze aber nicht. Auf den Filmaufnahmen tauchten zwei der anwesenden Männer in jüngeren Jahren auf.
Hinter meinem Hocker an der Wand standen aufgereiht Kisten, in denen etwas in Zeitungspapier verpackt war. Ich dachte an die Verpackungs- und Einbalsamierungswerke der 1970er Jahre, Christos paper packages, Einbalsamierungen nicht mehr zum Oeuvre gezähl- ter Werke bei Vollrad Kutscher oder die Ummantelungen von Hölzern oder Steinen mit artfremden Materialien. Die Brücke von Fotos zu zeitungsverpackten Gegenständen schien mir damit gegeben – und die ausdauernden Reden, kombiniert mit dem Essen und dem in der „Runde“ Sitzen rief mir wieder die in den gleichen Jahren intensiv erlebten Performances in Erinnerung.
Als die „Performance“ oder Einführung zu Ende war, wurde ich vorgestellt und lernte den „Künstler“, den „Galeristen“ und den Fotografen kennen. Die Gespräche waren nicht sehr ausufernd, denn der englische Wortschatz war begrenzt und die Übersetzungs- versuche auch.
Es ging tatsächlich um das Haus, das dem „Künstler“ – der mir eher als eine Art Kunstpädagoge beschrieben wurde – verbrannt war. Das war nun zehn Jahre her. Und diese Präsentation der Erinnerungs- stücke wurde als „Real Fainal“ auf einem Ankündigungsblatt bezeichnet (das sich erst beim Verlassen der Galerie im Flur an der Wand fand).
Es waren wohl zwei Stunden, die ich in dieser Galerie verbrachte, zwei sehr intensive, angenehme Stunden, voller Erinnerungen meinerseits und auch der Beteiligten Akteure.
Den Namen des Künstler und den des Galeristen und den des Fotografen weiß ich immer noch nicht. Ich werde es noch heraus- finden. Kure Take Yabu Yaketa stand noch auf dem Plakat-Blatt.

heitere Kunst-Szene

 

art works, Süssigkeiten,Mantel+Hut - wird daraus ein Beuys?

art works, Süssigkeiten,Mantel+Hut – wird daraus ein Beuys?

der Galerist

der Galerist

 

der Fotograf im Bild

der Fotograf im Bild

nach der Performance - Essen + Trinken

nach der Performance – Essen + Trinken

Ausschnitt aus der beklebten Fotowand

Ausschnitt aus der beklebten Fotowand

 

aus dem Haus gerettete Fotos

aus dem Haus gerettete Fotos

Kränze2der Künstler zeigt

der Künstler zeigt

verpacktes Brandrelikt

verpacktes Brandrelikt

 

 

 

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