Ascona – Monte Verità 1 – auch Vergangenheit kann leben

Der Bahnhof heißt Lugano, das Ziel war aber eindeutig der Monte Verità. Neben dem Besuch auf diesem Hügel, denn von bergen ist er zwar umgeben, aber selbst keiner, der heraussticht, war alles andere zweitrangig. Das Wetter bestätigte das mit warmen Sonnenstrahlen und heiteren Himmel.

Wer vom Monte Verità nichts weiß – und gar viele Besucher von Ascona wissen nichts von ihm – dem kann man nur schwer ohne Wortgeklinkel erklären, welche Mythen dort wohnen. Der Hügel über dem ehemaligen Fischerdorf Ascona wurde am Ende des 19. Jahrhunderts zum Sehnsuchtsort für Utopisten, Sozialisten, Nudisten, Veganer, überhaupt für alle, die die immer noch monarchistischen Gesellschaften in Europa zum echten Leben befreien wollten. Sie kamen und steckten ihr Geld in das gemeinsame Leben und ein Stück unbebautes Land, verloren es an die Unrealisierbarkeit der Utopie und gaben es an die nächsten Gläubigen weiter. Einer der Frühen war der  holländischen Fabrikantensohn Henri Oedenkoven, der 1904 ein erstes stabiles Holzhaus baute und noch 1913 seine „Statutern der individualistischen Cooperative von Monte Verità“ noch mit „Generaldirektor“ unterzeichnete. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm der Baron Eduard von der Heydt, Bankier und Kunstsammler den Monte Verità für einen Bruchteil dessen, was Vorbesitzer Oedenkoven haben wollte. Er wollte hier eine mondäne Sommerfrische für die betuchte Gesellschaft aufbauen. So ganz hat das nicht geklappt, denn bis fast zum Sieg der Nationalsozialisten fanden sich am Monte und in der Umgebung noch viele Künstler der Reformbewegung und Politiker der Linken ein, bevor 1927/29 die Bauhaus-Professoren von Schlemmer, Klee bis Gropius vorbeischauten.Heinrich Vogeler gab in der Nähe mit Fritz Jordi die Zeitschrift „Fontana Martina“ eine zeitlang heraus und der anarchistische Schriftsteller Erich Mühsam, der schon 1934 im KZ Oranienburg ermordet wurde, war ebenfalls im Hort der Unangepassten zu Gast.

Zwei linke, kommunistische Künstler, die unter den Rechten (Mühsam) und den eigenen Genossen (Vogeler) litten. Sie waren nicht unbedingt einer Meinung, aber sie hatten gleiche Utopien.

Heinrich Vogeler. Die Freiheit der Liebe in der kommunistischen Gesellschaft

Erich Mühsams Zeichnungen von 1926 lassen schon die von Marie Marcks aus den 1970ern erahnen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben Schriftstellern waren Gesundheitsapostel, Sonnenanbeter, Musiker, Tänzerinnen und Tänzer gern in der Kolonie der Zukunftsgläubigen. Sie machten für die Anwohner, biedere Fischer und Bauern, wohl das meiste Aufsehen. Sie arbeiteten nicht nur wie Adam und Eva im Garten Eden, nämlich unbekleidet, sondern sie garnierten ihre Blöße gerne mit unverständlichen Verrenkungen oder ihrem schon damals schrillen und bewunderten Namen – etwa die Tänzerinnen Isadora Dunkan, Mary Wigman oder Charlotta Bara. Für Letztere entwarf der bodenständig-sentimentale Fidus einen „Tempel der Erde“-

Fidus (= Hugo Höppener, 1868 – 1948)

Alle Sentimentalitäten und alle ersthaften Prognosen flossen ineinander, weil man vor allem die Welt verändern wollte. ‚Weg von der gesellschaftlichen Unterdrückung“ – das war das gemeinsame Ziel.

Man war, in der heutigen Terminologie, „grün“, aber menschlich und politische gesehen keineswegs einig.

Bis in die 1970er Jahre mußte man sich zum Thema „Monte Verità“ Literatur mühsam zusammen suchen, obwohl in den frühen Nachkriegsjahren eine Reihe Erinnerungsbücher von Beteiligten und Betroffenen erschienen. Die Wirtschaftswunderjahre war aber ein steiniger, trockener Boden für sozialpolitische Utopien. Die Erinnerungen an den „Berg der Wahrheit“ überlebte wieder einmal vor allem in den anarchistischen und esoterischen Zirkeln. Bis der Schweizer Kurator Harald Szeemann 1978, nach seiner grundlegenden und spektakulären Ausstellung „Life in your Head – When Attitudes become Form“ in Bern 1969 (und seiner anschließenden Kündigung). Mit dem Berner Titel war (aus der Rückschau sehr verständlich) bereits der Einstieg in die archivarische Schau über den Monte Veritá enthalten. Das utopische Leben der Denker, Schreiber, Tänzer blieb in vielen Fällen vor allem in ihren Köpfen.

Szeemann, ein manischer Sammler und Archivar, trug eine unglaubliche Menge an Materialien zusammen und  machte damit deutlich, dass hier zwar Individualisten sich verwirklichen wollten,  aber als Erlösungswerk für alle. Zuvor hatte er seine Leidenschaft des Sammelns und die sich daraus ergebende Einsicht in die Unauslöschbarkeit des utopischen Wollens mit der dokumenta 5 (1972) in Kassel und den (künstlerischen) „Individuellen Mythologien“ demonstriert.

In der Show „La mammelle della veritá“ (Die Brüste der Wahrheit) zeigte er, dass nicht nur die Kunst, sondern auch das Leben zum „Erleben“ der Zukunft fähig ist. Die 1978 als Wanderausstellung konzipierte Sammlung von Exponaten ist nach der Restaurierung des Museuo Casa Anatta wieder auf dem Monte Verità zu sehen.

Eine weiterer Teil mit Text und Bildmaterial wird folgen

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Bern – Bundeshauptstadt mit wunderbar ausgefransten Ecken

Vom Bahnhof über die Lorrainebrücke zum Hotel am Victoriaplatz (das Marthahaus wirkt versteckt und verschwiegen, ist aber offen, gastfreundlich und international bunt) und zurück in die Altstadt über die Kornhausbrücke. Mich erfreute der Blick in die Tiefe auf ein Stück Bern, das ich so nicht in Erinnerung hatte.

Blick von der Kornhausbrücke

In einem „früheren“ Leben lebte ich sieben Jahre in Zürich und entdeckte während dieser zeit meine Freund am Schreiben über Kultur. Basel und Bern waren häufige Ziel. Von Bern blieben nur wenige Bilder, eher düstere, in der Erinnerung- Dies war ein freudiger Lichtblick.

Marktgasse

Die ersten Schritte durch die typischen Berner Altstadtgassen aktivierten sofort die Erinnerung.                                                                  In der Erinnerung noch nicht verankert waren die vielen Touristen, sie fluteten die Straßen. In meinem „früheren“ schweizer Leben hatte ich mich nur ausnahmsweise als Tourist gefühlt (zur Ferienzeit galt ich in den Cafés dann auch als Tourist). In Bern fühlte ich mich spontan als Tourist. Ein neues Gefühl. Ich gewöhnte mich ein wenig daran, verlor es aber rasch wieder, denn die Menschen, an die ich geriet, zogen mich in ihre Gespräche ein. Es gab zwar meist nur kurze, aber offene und herzliche Zuwendungen.

 

Drei parallele Straßenzüge charakterisieren das historische Bern und geben der Bundeshaupt-stadt ihr Gepräge. Rücken an Rücken stehen die Häuser nebeneinander und lassen  nur wenige Quergassen zu. Abwechslung – oder Orientierungspunkte – sind nicht leicht zu finden. Um zu wissen, wo man ist, geben die Brunnenfiguren Halt und Orientierung. Von ihren heraldischen oder allegorischen Bedeutungen wird dem Besucher kaum etwas mitgeteilt. Auch die schön bebilderte Internetseite hat für die Brunnenfiguren nur allgemeine Erläuterungen. Was beispielsweise ist mit dem Kindlifresserbrunnen (bei Wiki finden sich annähernde Angaben, die aber erst recht auf fehlende Erläuterungen heute verweisen). Die meisten Berner Brunnen-figuren sind statuarisch (verglichen etwas mit denen in Solothurn), sie tun sehr bedeutend, vielleicht „staatstragend“. Aber wir können sie kaum mehr denn als Schmuck verstehen.

Für mich etwa sichtbar an der sehr viel aufwändigeren Gestaltung der Justitia im reichen Bern gegenüber dem „bäuerlichen“ Bild in Solothurn.

Justitia in der Gerechtigkeitsgasse

 

 

 

 

 

 

 

Den Altstadtstraßen Berns habe ich abgeschaut wie rück-sichtsvoll wir heutzutage miteinander umgehen können. Da sind zum einen die Autofahrer, die sehr behutsam nur über die Kopfsteinpflasterstraßen rollen und bewundernswert ist die Ruhe und Nachsicht von Busfahrern_innen, vor denen ständig fotografierende Touristen stehen, die nie auf den Verkehr achten.

Die Massen von Touristengruppen, auffallend viele Asiaten, werden mit einem schweizer Lächeln ertragen und gerne wie verkleidete Könige behandelt. Sie lassen viel Geld in der Stadt und der Gewinn dafür ist die mehr als faire Behandlung durch die Bewohner der Stadt. In Bern ist mir (möglicherweise nur durch die hohe Zahl an Beispielen) aufgefallen, dass nicht die Hautfarbe Berner und Touristen trennt, sondern der örtliche Dialekt; ich habe nur Beispiele erlebt, bei denen eindeutig Zugereiste (vielleicht Flüchtlinge) und Berner ausschließlich im Dialekt miteinander kommunizieren.

Einsteinhaus in der Kramgasse

im dörflichen Bern – neuer look aus alten Materialien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Touristengruppen suchen kurze Wege, deshalb ist das Einstein-Haus in der Kramgasse immer von fotografierenden Gruppen belagert. Zwei Tram-stationen weiter (auch gut zu Fuß erreichbar) gibt es das Einsteinmuseum (groß beschriftet), aber keine Touristen als Fotografen oder Besucher. Den Schriftzug am Haus, das Einstein kurzzeitig bewohnte, ist eben auch ein guter Beleg für eine erfolgreiche Reise.

Mich zog es zu den Enden der Altstadt-Straßen – und da, wo die Aare die Altstadt umfließt, an der Nyleggbrücke und der tiefer gelegenen Untertorbrücke fand ich noch Erinnerungen an das dörfliche Bern und an die nahe Landschaft und Natur. Hierher findet es kaum noch ein Tourist. Hier begann ich mich richtig wohlzufühlen – und die mutigen Aare-Schwimmer zu beneiden, wie sie es den Enten gleich machten und gern unter der Wasseroberfläche die Strömung genossen.

An der Nydeggbrücke

Gärten von der Junkergasse zur Aare

 

Die Gärten, die steil von der „Oberstadt“ abfallen, konnte ich leiden nicht betreten; auf Grund von Bauarbeiten blieb mir nur der Blick von Weitem.

 

 


Die Dachlandschaften der Gassenhäuser bilden gerne eigene Dörfer oder Stadt-Strukturen. Sie ergeben Bilder wie aus alten Holzbaukästen, mit denen schon vor langer Zeit Kinder ihre ersten Häuser bauten. Es sind Gebilde für stumme und imaginäre Leben.

 

Wenn es gehen 19.00 Uhr geht, dann strömen nochmals Gruppen vor, vor allem, jungen Touristen durch die Straßen auf der Suche nach Stühlen, Bänken und Tischen für das Nachtmahl.

19.00 Uhr abendliche Touristen auf dem Heimweg

 

Lausanne – a surprising lovely city

When you enter a city first time it is like switching on the light in a dark room: you jump into a Vision without a mental control.

So I entered Lausanne. And the way from the central station to the hotel was climing up to the iluminated top of the mountain. Lausanne was like a beautiful woman, shaped in the right way, cuddly and friedly.

On the way up we passed some reminiscence of Art Deco.

 

Under top of the hill there are mediterrenian places, wideenough for the view, nerrow enough for personal conversation.

 

Eine fremde Stadt zu betreten ist zuweilen wie das Licht einschalten in einem dunklen Zimmer. Man springt unkontrolliert in etwas Unbekanntes.

So erlebte ich die ersten Schritte in Lausanne. Der Weg zum Hotel erschien mir wie Aufstieg zu einem hellen Gipfel. Lausanne war eine schöne, wohlproportionierte, anschmiegsame Frau.

Auf dem Weg passierten wir Reminiszenzen der Art Deco Zeit.

Oben öffneten sich Plätze, weit genug für die Blicke, eng genug für persönliche Gespräche.

Erste Grüße erhielten wir von einer zweiten Justitia Brunnenfigur – herrischer und goldener als in Solothurn.

A second meeting with the Justitia fountain-figure after Solothurn brought a familiar feeling.

 

 

Following the Tourist tracs you reach the Cathedral, an impressiv Gotic building. The more talking architec-tures I found aside.

 

 

 

Impressions around the Cathedral

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Most of the architecture I have seen in Lausanne has a familiar touch to each other. Even die first sky scaper from 1931, designed by Alphonse Laverriér you would call imposing. But it is a unique building because it has twao parts, a bottom part like a base of a column and a upper part which is an cinema and office building. In total the doubble building has a hight of 65 m.


 

 

 

 

 

 

Die Architektur der Stadt macht einen recht geschlossenen Eindruck, so dass das bemerkenswert singuläre Bel Air Hochhaus von Alphonse Laverriére nur auffällt, wenn man es sucht. In nur zweijähriger Bauzeit 1931 fertiggestellt, ist es singulär, weil es auf einem 24 m hohen Sockelbau steht, der das Bel Air Hochhaus über das damals noch als Industrieareal genutzte Flon erhebt.

Das Bel Air Hochhaus wurde als Kino-Saal und Bürohaus genutzt. Heute wird es erstmals renoviert. Es steht deshalb weitgehend leer.

 

 

 

 

 

 

Auf der Höhe des Sockels des Bel Air Turms war im 19. Jahrhundert ein Fluss-Tal. Heute ist vom Fluss nicht mehr übrig. Sein Bett wurde aufgefüllt und genutzt für eine  Zahnradbahn hinunter zum Genfer See. Das Gebiet entwickelte sich zu einer Art Industriebrache. Heute noch sind kräftige Hallenbauten davon zu sehen, durch wirkt von sphärisch anmutenden Gebilden für eine zeitgenmäße Gastronomie.

This is a glance of the bottum of the Bel Air Tower. It had been since the 19. century an area for early instustry and a funiculair down to Lake Genever. During these years is is changing to a modern area of leasure and design and Advertising.

Lausanne also is a city of some wall comments, mostly hidden around corners. 


Lausannes Mauern sind weitgehend frei von Graffiti, aber an meist versteckten Ecken findet man doch humorvolle Kommentare – wie diese Turbo-Katze, die an einer hinteren Wand im Flon Areal ihr Wesen treibt.

A cat at a back wall in the Flon area.

And around the small but inviting restaurant „A la Pomme do Pin“ in Rue Citie Derniere 11-13 I saw a comment like „the Portrait of a Young man like a Tourist“

 

Manchmal überfällt einen beim Sehen eines Graffiti ein verdrehter Buchtitel. Hier: „Bildnis eines Touristen als junger Mann“ oder vielleicht auch „Bildnis eines jungen Mannes als Tourist.“

 

Manche Bildkommentare verstand ich auch nicht, vermutlich waren sie keine.

 

Some of the comments I did not understand, may be they was’nt initiated as comments. 

 

 

Solothurn – ein keltischer Name ohne archäologische Funde

Solothurn ist eine helle, freundliche Stadt, die sich aber auch bei mehrmaligem Durchschreiten nicht erschließen läßt.
Die Stadt an der Aare, in südwestlicher Richtung vor Biel, Neuchatel und Lausanne gelegen, zieht sich gern in ihre Vergangenheit zurück und lebt in einem Geflecht von myzelienhafter Unsichtbarkeit. Dabei zeigt sie gerne ihre Bedeutung durch eine Architektur, die zwischen Renaissance und Barock schwankt. Die Schweizer „Stadt-Kantone“, zu denen Solothurn bei ihrem Aufnahmebegehren in die Eidgenossenschaft gehörte, sind heute für uns ein farbiges und lebendiges Bilderbuch. Es ist aber eben kein leicht lesbares Buch.

einer der zahlreichen schönen Erker in den Gassen

faszinierende Dachgauben überall in den Gassen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brunnenfigur eines Söldnerführers, vielleicht aber auch des Stadtheiligen Maurizius **

Reich geworden ist die Stadt durch ihre Söldner, die vor allem in Frankreich, danach aber auch in Italien, Spanien, den Niederlanden und England gefragt waren. Aktuell gibt es im ‚Museum Altes Zeughaus‘ eine Ausstellung zu diesem Thema, aber an ihr kann man exemplarisch ablesen, dass nur das Faktische zählte und immer noch zählt.

Nicht wird erzählt, wie die Stadt an dem Söldnerwesen verdiente. Wurden nur die Heerführer reich dabei? Beim Rundgang durch die Ausstellung erfuhr ich, dass sich die Erben eines der Söldner-Heerführer um 1,6 Millionen stritten (umgerechnet nach heutigen CHF). Von Dienstzeiten, dem Sold und den möglichen Ersparnissen erfährt man soviel wie nichts. Wie stand es mit der Beute, durch die die Soldaten selbst überhaupt nur einen Gewinn ansammeln konnten?

Die Stadt erzählt nicht viel von den Menschen, aber sie verweist auf den Reichtum, durch 200 Jahre Söldnerwesen und die davon finanzierte Schönheit der Stadt. .

 

 

 

Stolz ist sie auf die hoch aufgestellten, farbigen Brunnenfiguren, erwähnt aber nicht, dass man bei so manchen heute auch ironische Untertöne erkennen kann.

die kecke, dralle Justitia

 

 

der Georgs-Brunnen – Retter der kindlichen Königin und Drachentöter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir lesen Bildwerke eben mit unseren Augen – und da wirkt die „Gerechtigkeit“ (aus dem Jahr 1541) bäuerlich und alles andere, als über den Dingen stehend. Ihre Waage zeigt heitere Ausschläge zum kokett übers Knie hochgezogenen Rock. Und die Wichtigen der Welt und der Stadt gruppieren sich wie Kasperl-Puppen zu ihren Füßen.

Beim heiligen Georg muß die demonstrativ mehrfach geborstene Lanze am Maul des Drachen das fast heitere schnurbärtige Gesicht konterkarieren und die Königstochter steht kindlich daneben.

Mir scheint, dass die Stadt nur zu gerne mit der Schönheit der historischen Figuren punkten möchte, die Aufarbeitung solcher Bedeutungen aber gerne beiseite schiebt. In den kurzen Internet-Texten zu den Figurenbrunnen, die die Stadt selbst verantwortet, werden die Figuren selbst zuweilen nicht einmal gezeigt. Vom Maurizius-Brunnen gibt es kein Bild und ich fand zwei Bildniss, die zu dem Text passen. Außerdem wird der Stadtheilige Maurizius, von dem es keinerlei historische Hinweise oder Daten gibt als Führer der Thebäischen Legion der römischen Armee gemacht und als „kraftvoller Söldnerführer“ bezeichnet. Mit dem stadtheiligen Maurizius ließe sich doch heute ein offener Dialog über die Historie und Entwicklung der Stadt Solothurn führen. – Mich hätte es sehr interessiert.

Alles verdeckt den Aufstieg der Stadt durch den Handel mit ihren Kindern. Natürlich: es war eine andere Zeit. Aber es ist doch gerade heute nicht verkehrt, mit dem Erbe auch kritisch umzugehen.

Fahrrad-Touristen vor dem Hintergrund der St. Ursen-Kathedrale, benannt nach dem zweiten Stadtheiligen

Solothurn ist heute eine Wochenend-Touristenstadt, am Samstag überlaufen, am Sonntag herrlich still und verträumt, mit vielen Läden zum Shoppen, mit Cafés und Restaurants, aber auch mit bemerkenswertem Leerstand.

 

eisernes Wandbild von Schang Hutter aus dem Jahr 1994

 

 

 

 

 

 

 

Im Schatten der Touristenwege trifft man an drei Stellen auf frühe Arbeiten des international anerkannten (heute dreiundachtzig jährigen) Solothurner Bildhauers Schang Hutter, der wie die Söldner durch Europa wanderte und heute hauptsächlich in Genua lebt. Die rostigen Eisentafeln und verbogenen Stelen lassen sich nicht leicht „lesen“, aber man findet sein Credo auf seiner homepage.

„Ich will leben. Der Verletzlichkeit Raum geben. Ich habe darum meinen Menschenzeichen lange, dünne Arme gegeben, die sich wie Fühler den offenen Raum ertasten“.

Schang Hutters Arbeiten sind weit verbreitet in Europa, aber überall erst nach langem Betrachten und Nachdenken zu einem Stück jeweils eigener Stadtkultur geworden. In Hannover gibt es eine ausladende Figurengruppe zwischen der Nordseite des Hauptbahnhofs und dem nahen Amtsgerichts-Komplex. Öffentliche Kunstwerke gehören auch zu den Seelenverbindungen Europas. Man darf sich auf sie beziehen; sie helfen uns zu einem besseren gegenseitigen Verständnis.

Ehrentafel für den polnischen General Kosciuszko

Nicht weit von seinen gelblich-braunen Tafeln schwebt über den Köpfen der Touristen eine Gedenktafel für den Polen Thadaei Kosciuszko, der 1817 in Solothurn verstarb und dessen einbalsamierter Körper heute in der Wawelkathedrale in Warschau ruht. Der aus polnischem Landadel stammende Soldat war ein freiheitstrunkener Söldner, der zuerst für ein unabhängiges Polen kämpfte und danach neben George Washington im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1777-83).
Das sind Ansätze für ein anderes Stadtverständnis neben der Bewunderung für das architektonische Portrait einer durch Reisläufer reich und stolz gewordenen Stadt. Und versteckt kann man in der Loewengasse 16 auch noch einen zeitlos engagierten Laden für Bücher, Platten und sonstiges Kulturgut entdecken; das „Poetariat“. – Ich ziehe nun zufrieden von dannen.

Luzern _ gefühlte Schweiz, gefüllt mit Touristen

Swiss Humor. A face watching me out of a street window _ ein Stück Schweizer Humor, gefunden in einem ebenerdigen Fenster

Wie stellt sich eine Stadt vor, nicht nur eine schweizer Stadt:

Souvenir selfie

summer Impression in Luzern

Two Versions of a wellcome to Luzern. It may be irritating, it’s both a form of something bringing home from a trip.

 

 

Besides this funny impressions we had a warm, but wett wellcome. People are really very nice and warm hearted.

 

 

 

wellcome atmosphere

Nicht nur Uhren und Käse bestimmen das Bild von der Schweiz, auch Wasser in vielfältiger Form. Wer die wenigen Tourisitenstrassen verläßt, erlebt eine stille Vielfalt von Architekturen und Ästhetik.

Besides the few streets crowded by tourists Luzern Looks upon you with different faces. Walking alonge the part of the old City walls you can find a lot of hidden places.

Lebensart – the art of life

a Japanese Impression – ein Hauch von Japan

 

 

 

 

 

 

 

 

smiling of the past – ein Lächeln aus der Vergangenheit

These photos are the Addition aspects of the tourists aims of historic places, churches and Museums attractions.

This is what I take home from Luzern. But first the Swiss trip will go on to Solothurn .

Diese Eindrücke nehme ich von Luzern mit. Die hölzerne Kapellbrücke (verbrannt 1993 und schon ein Jahr später wieder aufgebaut = „original restauriert“) hatte ich noch von einem sehr frühen Besuch in Erinnerung.

Nicht nur Fassaden prägen eine Stadt, auch ihre Hinterhöfe – und die interessieren mich ebenso stark.

die raunende Reuss _ the river Reuss is the permanent grumbling noise of the city

 

Ein bewegendes mediterranes Fest für Jorge la Guardia

Am Eingang zum Atelier

Es war nicht wirklich zu erwarten, aber ich hätte es wissen können, dass der Hinweis „ab 18.00 Uhr“ nach deutschen Verhältnissen direkt 18.00 Uhr meinte. Ich verhielt mich mediterran und kam erst eine halbe Stunde danach – und stand vor der Tür und schaute auf einladende Kunst-Schnipsel und viele Köpfe. Die großen Atelierräume von Jorge la Guardia waren voller Menschen.

nach der ersten Gratulationsrede

 

 

Ein riesiger Andrang zu seinem 80. Geburtstag – erwartungsvolle Blicke, selbstverständliche Höflichkeit, ruhige Erwartung. Doch es gab überall noch kleine Gassen, damit man sich in die Räume hinein bewegen konnte. Und es gab auch immer noch hier und da einen Platz zum Sitzen.

 

Jorge mit jungen Sängerinnen

Sechs Jahre lang hatte Jorge in einer ehe- maligen Wohnung über seinem Atelier zusammen mit seinem langjährigen Freund und Unterstützer Peter Hansen eine Galerie für die regionalen Künstler geführt. Die Eröffnun-gen wurden zu ausgelassenen Festen, denen der 80. Geburtstag gestern ähnelte. Was in den vergangenen Jahren zur Selbstverständlichkeit gehörte, dass immer auch Kinder mitfeierten (ein Bestandteil südlicher Kulturen), wurde nun für Jorge zu einem neuen Schwerpunkt des Lebens: mit Kindern und Jugendlichen Zeit und Atelier zu teilen. Durch Musik, Tanz und Malerei wächst die Jugend um sein Atelier in eine gemeinsam erlebte Kultur. Die drei jungen Sängerinnen gaben eine Kostprobe mit einem spanischen Lied.

Bei Jorge wurde immer spanisches Essen gekocht, es wurden spanische Lieder gesungen und nach spanischen Melodien getanzt – es war immer eine offene Kultur. Sie wurde direkt gelebt und alle konnten da mit einsteigen.

ein Landschaftsbild von Jorge

Die Malerei von Jorge la Guardia entspricht nicht der Fröhlichkeit seiner Feste; ohne Freude aber will er, so darf man annehmen, sein Leben nicht leben und ohne Freude lassen sich dunkle Landschaften des Inneren nicht ertragen. Die Räume oberhalb seines Ateliers sind angefüllt mit Landschaften und Knochen, mit Ahnungen und Dunkelheiten. Die mit dunklen Farben getränkten Leinwände sind erstaunlich ermutigend, man spürt keine Zerrissenheit, eher Anstösse zur Beackerung und Bearbeitung.

Als ich aus der Ausstellung wieder ins Atelier komme, ist das fröhliche Treiben die Belohnung des Lebendigseins. – Und ich sehe um mich herum lauter lachende Gesichter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich weiß nicht, aus welchem Stoff diese Fröhlichkeit, diese gute Laune in Jorges Atelier entsteht. Ich erlebe sie und bin zufrieden. Schade, dass die Geburtstage von Jorge la Guardia so selten sind. Danke Jorge für Deine Feste.

 

 

 

 

 

Eine mediterrane Oase – Jorge la Guardias 80. Geburtstag

Jorge la Guardia in seinem Atelier (2009)

 

Die Stadt, in der man geboren wird, führt einen behutsam in ihr Leben ein. Das Leben der Stadt wird ein Teil des eigenen Lebens. Mit Gleichaltrigen bildet man ein Myzelengeflecht, das das ganze Leben über hält. Selbst Zerstörungen vernichten es nicht wirklich.

Wer in eine Stadt zureist, muß sie sich wissentlich, bemühend erschließen.

Jorge la Guardia, 1937 in Granada geboren, kam 1961 ins ferne, unbekannte Deutschland, nach Hannover. Als ich nach Hannover kam, lebte Jorge schon 20 Jahre in der Stadt, die ich fast nur vom Namen her kannte. Als er für mich ein Teil Hannover wurde, lebte er schon über 40 Jahre hier und ich auch bereits zwanzig.

Seither habe ich viel von Jorges Persönlichkeit empfunden, aber kaum etwas von seinem biographischen Leben erfahren. Er war für Jahre der Mittelpunkt eines intensiven mediterranen und internationalen Lebens. Er teilte sich mir mit über das Essen, das in seinem Atelier zubereitet wurde bei künstlerischen Festen, über seine Finger, die der Guitarre vertraut fremde Laute entlockten, seine Stimme, die unverständliche Geschichten deklamierte und die Tänze, die zu seiner Musik von der „Familie“ beigesteuert wurden. Alles war selbstverständlich ein Teil meines hannoverschen Lebens. Inmitten überbordender Fröhlichkeit in seinem Atelier war er stiller Initiator und Teilhaber. Gesprochen haben seine Malereien von den Wänden, von denen ich den Eindruck hatte, er hätte sie nie gewechselt. Sein Atelier liegt weniger als 10 Gehminuten außerhalb der alten Stadtmauern, außerhalb vom Rotlichtviertel Steintor und hinter dem historischen Pestfriedhof, hinter einer schweren Holztür in einem „Zwischenbereich“ von Kleinstadt-Geschäftsstraße und enger, versteinerter La Mancha Gegend.

Jorge la Guardias Leben entstand aus Schlosserei und Kunstfertigkeiten. Er lebte immer von etwas, vielleicht am ehesten von seiner Liebe zur Kunst, zur Musik, zum Essen und zu Freunden. Ob er tatsächlich von seiner Kunst lebte und lebt, ist mir nicht bekannt – aber gefühlt würde ich es behaupten. Ob es zutrifft, dass er immer mal ein Auto voll mit Bildern belädt, nach Spanien fährt und seine Sammler beglückt und mit vollen Taschen zurückkehrt? Ich weiß es nicht, erinnere nur, dass es mir jemand erzählt hat; er selber vielleicht?

Heute feiert Jorge la Guardia seinen 80. Geburtstag. Ich werde ihn nach der Unterbrechung von einigen Jahren wieder sehen; es wird selbstverständlich sein und ich werde seine Anwesenheit fühlen und mit lange mit anderen Freunden sprechen. Jorge werde ich als einen Teil meiner Stadt immer mit dabei haben. Auf viele folgende Jahre.

p.s. Es gibt einen Wikipedia-Eintrag zu ihm und da findet man auch einen Hinweis auf eine Homepage. Man erahnt, dass beides eine Freundesgabe für ihn ist.