Eine Bildgeschichte

12.03.

Wenn es um die eindrückliche Darstellung von Historie geht, dann streiten sich nicht selten Bilder und Wörter. Mal sind die Wörter aussagekräftiger oder anregender für die eigene Fantasie, mals die Bilder.

In der Burg von Osaka halfen mir eindeutig die Bilder mehr als die Wörter. Das es so etwas wie Burgen, befestigte Wohn- und Machtsitz in Japan gegeben hatte, war mir nicht präsent. Aber schon der erste Anblick erinnerte mich an die eigene Kultur.

Das einstige Machtzentrum Osaka leistete sich 1583 einen imposanten Burg-Bau. Die Adelsfamilie Toyotomi unterstricht damit ihre Macht und schützte gleichzeitig ihre Handesinter- essen. Weder im Aussehen, noch in der Intensiton waren das spürbare Unterschiede zu den europäischen Gepflogenheiten. Und Osaka stand mit seinem Burgen-Bau nicht allein.

Heute gehört das mächtige Fort zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, auch wenn der Bau selbst kaum noch historisch ist. Die Burg wurde 1583 gebaut, aber schon 1616 im „Sommer Krieg“ erobert und durch Feuer (vermutlich Brandstiftung einiger Überläufer) erstmals zerstört. Es folgte ein Wiederaufbau und erneuter Brand durch Blitzschlag und danach blieb die Festung wohl weitgehend Ruine. Zumindest wird über die Zeit zwischen 1665 (zweiter Brand) und 1931 (zeitgenössischer Wiederaufbau) dem Besucher nichts mitgeteilt – und auch Wikipedia schweigt sich zu dieser Zeit aus.

Mächtige Mauern, die keinen Vergleich scheuen

Mächtige Mauern, die keinen Vergleich scheuen

Kompliziert gestaffelt, wie wir das auch von alten Burgen in Deutschland kennen, gibt es Vorhöfe und Forts, bevor man das Innere der Burg betritt. In Osaka weist man die Besucher gerne auf die riesigen Steine hin, die den Zugang verwinkeln. Leider findet man keinen Hinweis darauf, warum diese übergroßen Steine gebrochen und wohl kompliziert hierher transportiert wurden. Traute man kleineren Steinen weniger Schutz zu? Oder war es die Freude am Imponieren?

Riesige Steine begleiten den Eintretenden

Riesige Steine begleiten den Eintretenden

Erst wenn man das Zentrum der Burg erreicht hat, wird das Bild japanisch. (Schutz)Mauern sprechen eine andere Sprache als Wohnhäuser.

Das Haupthaus, früher umgeben von Quartieren der erweiterten Familie und der Soldaten

Das Haupthaus, früher umgeben von Quartieren der erweiterten Familie und der Soldaten

Der „Wohnturm“ wird heute als Museum genutzt und als Aus- sichtsplatform zum Blick über die Stadt.

Die Erläuterungen sind überweigend in Japanisch, aber einen groben Überblick erhält man auch in wenigen englischen Texten. Am eindrücklichsten war für mich eine Multimedia-Erläuterung (wunderbar auf einem riesigen Bildschirm) mit Abbildungen und Details eines alten bemalten Wandschirms, der den Kampf um die Burg und ihren Untergang im Jahr1615 schildert. Der zweiteilige Wandschirm ist ebenfalls ausgestell, aber darauf kann man nicht das erkennen, was die großartige gemachte Bildschau vorführt.

Im Hof hängt eine große Reproduktion des Wandschirm

Im Hof hängt eine große Reproduktion des Wandschirm

Schon in einer Ausstellung in Philadelphia (zum Thema Kano Malerei) hatte mich der exquisite Realismus der Figurendar- stellung begeistert. Auch bei diesen Wandschirmen hätte ein normaler Blick die genaue Darstellung von Bekleidung und Mimik nicht wahrnehmen können. die beiden Wandschirm-Teile sind ein übergroßes Miniaturenbild. Die Technik gibt uns heute die Möglichkeit, Deatils aus dem damaligen Leben zu sehen, die nach den literarischen Beschreibungen weit weniger eindrücklich waren. Ich habe beim geduldigen Schauen erleben können, wie wenig sich (historische) Kriege in Japan von Kriegen in Europa unterschieden.

Die Bilder ließen mich einen Einblick nehmen und die Tatsache vergessen, dass ich die nur japanisch gegebenen Erläuterungen nicht verstand. Englische Untertitel wären zwar hilfreich gewesen, aber mich hätten sie vom intensiven Schauen abgehalten.

Hier folgt eine kleine Auswahl aus „Mitschnitten“. Da ich die Bildfolgen nicht voraussehen konnte, gibt es manchmal sehr zufällig Sequenzen. Auf den Wandschirmen sind offenichtlich drei Themenbereiche dargestellt worden: Kampfszenen, Flucht, Rettung und Plünderungen und die Situation der in der Burg eingeschlossenen Frauen. Von ihren Gesichtern, die ängstlich und weinend durch die Luken auf das Kampfgetümmel schauten habe ich leider kein brauchbares Foto. Sie zeigten vielleicht am Deutlichsten, wie großartig die Darstellung von Gefühlen in dieser Malerei ist – in der japanischen Grafik (Ukio-e) und auch im Alltag hat man vielfach den Eindruck, Gefühle würden in Japan nicht ausgedrückt.

Kampf in kleinen Haufen

Kampf in kleinen Haufen

Nur durch Tapferkeit und pesönliche Kampftechnik überlebte man

Nur durch Tapferkeit und pesönliche Kampftechnik überlebte man

Ich habe versucht herauszufinden, ob es bestimmte taktische und strategische Anordnungen in der Schlacht gab. Ich habe sie nicht entdecken können, konnte aber nachlesen, dass es sie wohl gegeben hat. Mir erschien, dass man so lange gekämpft hat, bis eine Seite die Flucht ergriff, wodurch sich dann das Kräfteverhäntnis veränderte (dadurch dann aber auch die taktischen Möglichkeiten). An der ersten Schlacht um die Osaka Burg (Winterkrieg) sollen 164.000 Soldaten teilgenommen haben (Wikipedia). Über die Anzahl von Soldaten beim entscheidenden Sommerkrieg schweigen sich die mir zugänglichen Quellen aus.

Flucht und Raub

Flucht und Raub

Verteidigungsversuche

Verteidigungsversuche

Hier werden die Rüstungen ins Wasser geworfen

Hier werden die Rüstungen ins Wasser geworfen

Auch Frauen waren Beutegut, wie immer in Kriegen

Auch Frauen waren Beutegut, wie immer in Kriegen

Heute ist das ehemealige Zentrum Osakas umgeben von neuen Palästen; ein Blick vom Palast (Wohnturm) in Richtung Süd-Westen, da wo meine Tatami-Matten liegen.

Blick nach Süden

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