Internationaler Workshop Zeichnen

[Kunst, Ausstellungen]

9.Juli 2013

Es gibt Internationalität, die im Verborgenen blüht. Derzeit mal wieder in der alten Bäckerei und weiteren Räumen des Stephansstift an der Stadtbahnhaltestelle Nackenberg (Kirchröder Str. 44). Seit 2001 treffen sich, anfangs im Zweijahresrhythmus, acht bis zwölf Künstler, beim „Internationalen Workshop Zeichnen“, jetzt zum 11. Mal.

Es gibt kein Thema für die zwei Wochen, die man zusammen sitzt und gemeinsam die Umgebung erkundet, und es gibt keine Jury, die die Teilnehmer nach bestimmten Kriterien auswählt. Künstler, die bereits als Teilnehmer in Hannover waren, empfehlen aus ihrem Land „Nachfolger“. Entscheidend ist das Gefühl oder die individuelle Sicherheit, dass der oder die Empfohlene zur Atmosphäre des Workshops passt. Da gibt es dann Unausgeglichenheiten, wenn mal überwiegend Künstler oder altersmäßig gestandene Teilnehmer anreisen.

In diesem Jahr sind zwei japanische Künstler vor Ort, von denen einer (Masakazu Kondo) in Düsseldorf lebt, ein Künstler und eine Künstlerin aus Brasilien, ein Künstler aus Dänemark, ein deutscher Künstler, der bis vor kurzem auf Zypern lebte und der hannoversche Künstler Andreas Palm.

Vom Erleben der Fremde, in der Fremde oder zu Hause, erwartet man meist, dass der Ortswechsel deutlich sichtbar wird. Im Hinterkopf blinken dann wohl die Ergebnisse der Tunisreise von Macke, Klee und Moilliet auf oder die Reisen Gauguins auf die Marquesas. Zumeist aber müssen sich die Erlebnisse der Fremde erst setzen und verändern nur mit deutlicher Verzögerung die Kunst. Bei einem ersten Blick auf die Arbeitsplätze der Teilnehmer war ich dann erstaunt, wie weit sich diese Künstler auf das ihnen fremde Umfeld eingelassen haben. Häufig sieht man ja erst einmal das, was bereits vorher in den Köpfen der Künstler war.

Masakazu Kondo war der einzige, der mitbrachte, was sein Thema ist: eine große runde Scheibe mit einer eindrücklichen Zeichnung eines roten Fisches. Und seine erste Arbeit in Hannover war wiederum ein Fisch, ein blauer. Das Besondere an der Arbeitsweise von Kondo ist, dass er seine Zeichnungen mit einem einfachen, handelsüblichen Kugelschreiber macht. Er will nicht mit Technik brillieren, auch wenn der Eindruck beim Betrachter trotzdem eintritt. Kondo beschäftigt sich mit der Umsetzung des imaginierten Fisch-Bildes im Kopf auf das Papier. Was wird aus dem Fisch, den er gesehen hat, wenn er ihn als Kunst darstellt?

Mit vergleichbaren Gedanken – und doch ganz anders – beschäftigt sich auch die Brasilianerin Adalgisa Campos. Sie durchstreifte, wie ihr Kollegen Mario Fiore, der Deutsche Horst Weiterstall und der zweite Japaner Tadahiro Abe, die nähere Umgebung ihres Ateliers auf Zeit. Alle waren phasziniert von der landschaftlichen Umgebung, der parkähnlichen Anlage des Stephansstifts und dem teilweise urtümlichen Waldbereich des Eilenriede-Ausläufers.

Adalgisa Campos versuchte die Struktur der Natur, die sie erkundete, aus dem Gedächtnis strukturell wieder auf dem Papier aufzubauen. Sie zeichnete Äste und Früchte ab und übertrug sie „freihand“ auch auf eine kleine Schiefertafel oder auf ein mittelalterliches Schreibbrett. Sie filmte ihre gestalterische Arbeit und stellte die Ergebnisse ins Netz. Sie hat ihre Eindrücke im für sie fremden Hannover gleich in ihrem Blog eingestellt (www.adalgisacampo.blogspot.com). Es lohnt sich, dort hinein zu schauen, denn es läßt sich erkennen, was für die brasilianische Künstlerin das Fremde an dem uns Vertrauten ist. Ich kann nun gut nachvollziehen, weshalb bei Reisen die Umstehenden vielfach erstaunt schauen, wenn sie mich beim Fotografieren sehen.

Auch bei einigen der Zeichnungen des Brasilianers Mario Fiore und des Japaners Tadahiro Abe wird deutlich, wie sie die für uns so vertraute Vegetation sehen. Abes Bäume erschienen mir auf dem Kopf zu stehen, denn oben ist Dunkel und unten ist weiße Helligkeit. Er kombiniert auf sehr „leise“ Art Graphit und Bleistift zu fast unsichtbaren Motiven. Keinen der am Workshop teilnehmenden Künstler wird man in den Auflistungen der hundert wichtigsten oder teuersten Künstler finden, aber alle sind sie ausgeprägte Sucher, und sie gehen keinem Gespräch aus dem Weg. Der Däne Finn Have mußte wegen einer Ausstellung schon wieder abreisen, aber die anderen lassen sich noch bis zum Wochenende gerne über die Schultern schauen.

2 Gedanken zu „Internationaler Workshop Zeichnen

  1. Pingback: Der Internationale Workshop Zeichnen des Kunstvereins ars terra findet vom 28. Juni bis zum 13. Juli 2013 statt :: Heinz Thiel hat’s schon gesehen | keineangstvorkunst

  2. Johng694

    I appreciate, cause I found just what I was looking for. You have ended my 4 day long hunt! God Bless you man. Have a nice day. Bye edgdcdebkded

    Antwort

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