San Daniele – ein Besuch kurz vor dem 35. Schinkenfest

Ausflug nach S.Daniele, in die Stadt mit den bekannten Schinken. Der Bus braucht etwa eine Stunde und wir haben den Besuch auf den Nachmittag gelegt. Für den Nachittag war mal wieder Regen angesagt.

Die Busfahrt über Land war angenehm; hinter Udine weiteten sich die Täler, es zeigten sich entlang der Straßen ausgedehnte Weingärten. Der Bus hielt immer mal zwischendurch, hatte aber keine optische Haltestellenanzeige. Wir näherten uns S.Daniele, konnten Hinweisschilder sehen und eine Stadt am Berghang. Eine Frau machte bei einer Abbiegung den Fahrer darauf aufmerksam, dass irgend etwas gesperrt sei – so fühlte ich den Inhalt ihrer kurzen Konversation. Sie setzte sich nach vorn, in die erste Reihe schräg hinter dem Fahrer. Sie dirigierte ihn offensichtlich, er fuhr, so schien es (und so war es auch) wieder aus der Stadt heraus (S.Daniele ist recht klein). Auf den beiden Stadtplänen, die wir vor Beginn der Fahrt konsultierten, war die Endstation (wie wir annahmen) deutlich eingezeichnet, die Piazzale IV. November. Die Sperrung der Innenstadt wegen des bevorstehenden Schinkenfestes aria di festa erschien uns als möglicher Grund für eine kleine Verlegung, aber der Bus fuhr wieder in die Landschaft, durch Dörfer, die neue Namen trugen. Die noch verbliebenen Mitfahrer kannten offensichtlich die Strecke, sie drückten einer nach dem anderen die Halteknöpfe. Also konnten wir noch nicht an der Endstation sein. Aber dann hatten wir doch ein mulmiges Gefühl. B. fragte den Fahrer. Er antwortete, an der Haltestelle für die Piazzale seien wir vorbei, aber er würde uns wieder zurück bringen. Er holte uns nach vorne, damit wir einen schönen Ausblick hatten und kurvte durch die Landschaft. Es stieg niemand mehr aus und niemand mehr ein. An einer angedeuteten Haltebucht hielt er. Es gab um uns herum nicht mal ein Städtchen. Wir wollten aussteigen. Nein, meint er. Nach einer nur durch Augenblicke gefühlt verlängerten Pause drehte er und fuhr zurück, wieder durch grüne Landschaftsausschnitte und näherten uns erneut der Stadt auf dem Hügel.

Richtungsweiser

An einer unscheinbaren Ecke, neben einer Ziegelsteinmauer hielt er und erläuterte: Hier, wo wir ausstiegen, sollten wir für die Rückfahrt auch wieder einsteigen. Vage Vorstellungen, dass wir hier schon auf dem Hinweg mal vorbeigekommen waren, blieben unsere Anhaltspunkte. Es gab einen Sportplatz gegenüber und ein Straßenschild, das irgendwie auf S.Daniele verwies. Wir stiegen steil bergan und spürten dadurch deutlich die Hitze des noch frühen Nachmittags.

Identität stiftende Feierkleidung

S.Daniele zeigte sich als Stadt in Erwartung. Entlang der Straßen zum Dom standen weiße Partyzelte. Es schien, als ob man die Osmanen, die durch die Festung von Palmanova in Schach gehalten wurden, zu einem Umtrunk erwartete. Bierbänke und -tische waren vor und neben den Zelthüllen gestapelt, meist noch in durchsichtige Plastikbahnen gehüllt. Der Dom, um den die wichtigste Straße von S.Daniele führt, versprach ein Refugium zu sein. Doch innen wirkte er grau und wenig einladend.

Kopf der Fortuna

Vier Tugendstatuen an vier mächtigen Pfeilern wurden mir zum Lichtblick. Sie waren, nach meinem Empfinden, der perfekte Ausdruck unserer 1950er Jahre – Nachkriegsasketen, mit nachdenklichen Körperhaltungen von Unbeweglichkeit und Abwarten. Sie erinnern an Gerhard Marcks‘  Bronzetüren.

S.Daniele war konzentriert auf die Festeinrichtungen. Daneben schienen die Häuser und das Alltagsleben in tiefen Schlaf zu versinken. Da fielen die ersten Tropfen des angekündigten Regens. Wir gingen zur provisorischen Bushaltestelle zurück, warteten mit mehreren Frauen, die sich entlang der Mauer verteilt hatten, auf den Bus der Regenschutz versprach. Er kam und brachte uns zurück ins trockene Udine.

 

Prudentia, die Klugheit

 

Was mit uns auf der Hinfahrt geschah ließ sich auch per Internetrecherche an Hand der Fahrpläne nicht mehr recherchieren. Unser Busfahrer war in seinem Zeitplan geblieben, aber wir fanden nur eine mögliche Pause in S.Daniele, aber keine weiteren Haltepunkte, die er aber tatsächlich angefahren hatte.

Fünf große Schinken-Produktionen sind an den Rändern von S.Daniele angesiedelt. Schweineställe sahen wir nicht und rochen auch keine. S.Daniele zeigte sich als saubere Schinken-Stadt.

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