Udine: Friedhofsbesuch – ein sonntäglicher Spaziergang

Es ist sonntäglich ruhig; der Unterschied der Tage ist deutlich hörbar. Die Kinder auf dem Weg zur Schule fehlen, die frühen Busse und die übrigen Autogeräusche. Statt dessen rufen aus der „Ferne“ der Innenstadt Tauben, genauer: ich höre nur das Gurren einer Taube. Gesehen habe ich in der Stadt tatsächlich keine Taube. Hat Udine keine Taubenplage?

Erst gegen 9.00 Uhr pfeifft ein einsamer Vogel in der Nähe.

Am späten Nachmittag, nach dem obligaten Mittagsschlaf, zum großen Friedhof gegangen. Auf dem Weg dorthin, der schon auf dem Stadtplan kompliziert wirkte, standen wir ratlos an einem Straßenende und rätselten, ob wir links oder rechts gegehen müßten. Ein junges Paar mit Kinderwagen passierte unseren Standort und der Mann kam nach wenigen Schritten zurück und bot seine Hilfe an. Der Stadtplan verwirrte ihn ebenfalls spürbar; er wies in verschiedene Himmelsrichtungen und nannte Straßen, aber unseren Standpunkt fand er auf dem Plan nicht. Wo der Friedhof ist, wurßte er aber und erklärte uns mehrmals, wie wir zu gehen hätten. Vielleicht hatte er kein Vertrauen in unsere Aufnahmefähigkeit oder in seine Erklärkünste, also brachte er uns an die nächste, entscheidende Straßenkreuzung. Seiner Frau gab er den Haustürschlüssel und ließ sie mit dem erst 10 Tage alten Baby allein. Es wirkte winzig, machte aber mit einem üppigen Haarschopf viel wett. Auf dem Weg bis zur nächsten Straßenecke erzählte er, seine Frau sei Italienerin, er käme aus Rumänien, und eine seiner Omas aus Budapest. Weitere Zahlen gingen ein wenig durcheinander: ob er schon zwölft Jahre hier ist und insgesamt 25 Jahre lang gelernt hat, weiß ich nicht. Er sprach ein klangvolles Italienisch und arbeitet als „constructor“, vermutlich als Maurer oder etwas ähnlichem. Er wirkte sympathisch und sprach während des Weges ununterbrochen. Er brachte uns an einen Kreisverkehr und wies uns den richtigen Weg.

Blick von Grab zu Grab

Wir erreichten den Friedhof eine Stunde vor Toresschluß. Eindrücklich war das von dicken Mauern umgebene Innenareal, in dem sich eine regelrechte Totenstadt befand; jedes Grab war ein Haus im Gewandt der Moderne der Nachkriegszeit. Unter den Arkaden der Mauern befanden sich alte Familiengräber, in die Mauer oder in den Boden eingelassen.

 

 

 

 

Totenbungalow

Erdbestattungen im üblichen Stil, wie wir es von unseren Friedhöfen kennen, sah ich nicht. Erst nach der Umrundung des Friedhofareals, sah ich eine Öffnung zu einem weiteren Friedhofsteil. Dort befanden sich dann die „normalen“ Columbarien und die Erdgräber – und eine geteerte Straße öffnete diesen Bereich auch für Autos mit gebrechlichen Besuchern (wir trafen gleich auf ein solches Beispiel).

 

Grabmal einer Handwerker Familie, mit ausgebreiteten (metallenen)Werkzeugen an der rechten Seite

 

Familiengrab mit Portrait eines im WK 1 gefallenen Soldaten und einer Schwester (?), die ins 21. Jahrh. lebte

Der Rückweg führte uns durch unindividuelle, typisch italienische Wohnbebauungen und einen kleinen Park, der wie ein Pasolini-Idyll wirkte. Wir näherten uns von Westen der historischen Stadt und machten in einer unansehnlichen Straße einen kurzen Stopp, weil ein Schaufenster ein schönes farbiges Speiseeis-Angebot ausbreitete. Das Eis war schmackhaft und die Pause belebend. Nach drei weiteren Ecken waren wir „zu Hause“.

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