Foggia, 2. Station von 9

Das Hotel in Bahnhofsnähe entpuppte sich auch als fußläufig nahe zur Innenstadt. Unser Hotelfenster blickte auf die Fassade der Guardia di Finanza, der Finanzpolizei, die gegen Wirtschaftskriminalität vorgeht, aber auch soldatisch eingesetzt wird (Grenzsicherung – Hinweis für die CSU).

Am Morgen über den Markt geschlendert, der nur eine Seitenstraße weiter war. Es war alles tatsächlich sehr preiswert, was man dort kaufen konnte, wie es der Kaufmann in Padua geweissagt hatte. Obst und Gemüse lag bei € 1,- pro Kilo. Für 25 geschälte Kaktusfeigen habe ich dann aber gerne € 2,- bezahlt. Die wurden von einer Kleinfamilie geschält und verkauft, der kleine Sohn mußte den Plastikbeutel nochmals in einen zweiten für uns stecken. Wir waren die einzigen Fremden auf dem Markt; die Leute waren freundlich und höflich.

Straßenmarkt unweit der Piazza Cavour

Hochzeiten sind im Süden Italiens ein offenes Spektakel. Wir hatten es schon bei der ersten Apulien-Reise erlebt. Vor der Kirche, die am kurzen Ende unserer Straße liegt, sassen Männer und Frauen am Freitag erwartungsvoll auf einer niedrigen Mauer und schauten auf die offene Kirchentür in Erwartung des Brautpaares. Es dauerte eine Weile, aber es war die Demonstration des Großen Glücks und der Familienbedeutung.

Meine Fotos konnten es nicht entsprechend mitteilen. Der Abend war dann typisch süditalienisch: Flanieren über die Hauptstraßen, feierlich gekleidet und jeder beachtete jeden. Eindrücklich und ein tolles Fotomotiv, aber leider nicht geeignet für Schnappschüsse. Am Sonntag Mittag, als wir aus dem historischen Stadt Museum über die gleichen Straßen zurück ins Hotel flanierten (wir haben uns der gemächlichen Gangart angepasst), sah die Präsentation sehr viel ziviler aus.

 

Straßentreffen zum Wochenausklang

 

 

 

Foggia ist keine Touristenstadt, da fallen junge Afrikaner stärker auf als in Padua. Sie sitzen im großen Park zwischen Bahnhof und Innenstadt im Schatten der Bäume und kommunizieren mit ihren Smartphones oder dösen vor sich hin. Nur einer ging laut sprechend durch die Straßen; er ließ Angst und Unmut aus sich heraus.

Auf dem Weg zum abendlichen Lokal sahen wir, dass die Einladung des Stadttheaters zu einer Gratisvorstellung der “Traviata“, für alle, die einen freien Platz besetzen/besitzen konnten, auf starkes Interesse stieß – eine lange Reihe gut gekleideter junger und alter Menschen wartete geduldig als Umrandung des Vorplatzes auf das Öffnen der Türen.

Der junge Kellner, der uns gleich danach bediente, war vor kurzem eine Woche lang in Berlin gewesen. Hatte, wie er sagte, alle Museen gesehen und war voller Lob für die Stadt.

Foggia war die Hauptstadt des Stauffer Kaisers Friedrich II. , einem wichtigen Herrscher des hl. römischen Reichs deutscher Nationen. Er war ein Intellektueller des Übergangs vom Mittelalter zur Renaissance; er wollte die Wissenschaften des mediterranen Raumes zusammen führen. Mit dem Castel Del Monte hat er ein (vermutlich unbewohntes) Architektur Monument hinterlassen.

In Foggia blieb von seinem Palast aber ein Torbogen übrig, der heute in die Außenmauer eines Palazzo eingebaut wurde, in dem das Museum residiert.

Ein historisches Gesicht hat Foggia nicht, 0bwohl die einstige Prestigestraße von Neapel nach Arpi (als Stadt schon lange untergegangen) noch heute existiert, aber schmaler als der heutigen Corso Vitterio Emanuele ist. Die historische Straße ist so stark mit Kirchen und Palazzi bestückt, wie es heute die Corsi mit Banken und Markenläden sind.

 

Via Arpi, einst die wichtigste Straße der Stadt

 

Bleibt man innerhalb der alten Stadtgrenze blitzt in den Architekturen immer wieder Historie durch, der früher ländliche, heute suburbane Bereich ist dagegen ein architektonisches Brutalo-Einerlei.

Foggia hat nichts Auffallendes, aber die Stadt hat eine liebenswerte Ausstrahlung und empfiehlt sich so für ein Wiedersehen.

Für den Abschied fand ich einen Liebesbrief an einer Mauer, vor der einige Autos abgestellt waren. Es ist nur ein Ausschnitte, der Brief zog sich über etwa fünfzehn Meter hin.

 

 

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