Ein sympathisches Gedenken

Bei der Zeitungslektüre auch die Todesanzeigen zu überfliegen ist mir erst spät zu einem selbstverständlichen Teil der Informationsaufnahme geworden. Gerade bei überregional erscheinenden Blättern hält man sich damit auf dem Laufenden, wem man nachtrauern muss. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern sehr ehrlich. Mir ist es lieber, ich erfahre mit den Augen vom Ableben eines mir bekannten Menschen als mit den Ohren.

So erfuhr ich mit den Augen am 16. August durch eine kleine Anzeige in der Süddeutschen Zeitung vom Tode Enno Patalas. Die Anzeige war – und deshalb schreibe ich diese Sätze – von seinen nachbarlichen Mit-Hausbewohnern aufgegeben. Das hat mich sehr berührt. Da haben Menschen 50 Jahre lang miteinander in einem Haus gelebt und sie geben ihre Trauer nur gemeinsam kund.

Die Anzeige verweist auf ein Eingebettetsein in eine lange gepflegte Gemeinsamkeit.

Dass sich Nähe so äußern kann, habe ich durch diese Todesanzeige erstmals erfahren. Wunderbar.

Enno Patalas ist mir seit den frühen 1960er Jahren vom studentischen Filmclub der Universität Köln und vielen Stunden Filmgeschichte bekannt. Ich habe mit seinem Namen gelebt, ob ich ihn in Köln (?) mal gesehen habe, weiß ich nicht, wünsche es mir aber.

Der engagierte Uni-Filmclub in Köln hatte mir die Möglichkeit gegeben, mich in die bis dahin gewachsene Film-Geschichte einsehen zu könne. Es waren die Jahre der Nouvelle Vague, von „Letztes Jahr in Marienbad“ , die Anlass für nächtelange intensive Gedankenstreitereien waren.

Als ich nun bei Wikipedia nachlas, ob Enno Patalas vielleicht damals in Köln gewesen sein könnte, nahm ich mit Schmunzeln zur Kenntnis, dass er in Quakenbrück geboren wurde und das erinnert mich spontan und intensiv an eine kurze Szene aus dem Western „Der große Treck“ / „The Big Trail“, 1930 von Raoul Walsh, in dem John Wayne einen jungen Mann zum nahegelegenen Friedhof zum Grab von Jim Quakenbrück schickt. So zumindest in der deutsch synchronisierten Form. Er soll das Grab öffnen und etwas daraus mitbringen. Das Geheimnis vom Grab Jim Quakenbrücks: es war für die Trailer das Whiskey-Depot.

Eine große Todessanzeige von 79 namentlich aufgeführten Kollegen und Freunden für Enno Patalas erschien in der Süddeutschen Zeitung an diesem Wochenende (25./26.08.18)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s