Japan Miszellen 2017 – Anmerkungen ohne strenge Reihenfolge 02

 08.11.2017

Touristenziel Asakusa

Alle sagen, da muss man hin. Ich war da und damit ist es auch eigentlich genug. Um das Touristenleben zu studieren und um sagen zu können: Ja, ich war auch in Asakusa.

Interessant ist die Geschichte der Gründung des Tempels, die sich in vielerlei Variationen in allen Kulturen wiederfindet: eine hölzerne Figur (hier des Bodhisattwa Kannon) wird im Fluß angeschwemmt, für uninteressant befunden, wieder ins Wasser zurück geworden – und aus dem Wasser sie taucht immer wieder auf.

Ein unerklärlicher Vorfall, ein Wunder. Man trifft auf einen Erklärer, der von einer fremden Gottheit erzählt. Der Figur wird ein „Heim“, ein Tempel, gebaut und die neue Religon studiert. So soll der Buddhismus nach Asakusa gekommen sein. Als Zeit wird angegeben: 628 nach christlicher Zeitrechnung (die damals für Japan noch nicht galt).

Der heutige Tempel ist Jahrhunderte später vom Flußufer weg umgesetzt und deutlich vergrößert worden. Heute umgibt ihn ein Park, in dem sich auch ein Schrein (die ursprüngliche Verehrungsform in Japan) befindet, in dem die Retter der Statue und die ersten neuen Gläubigen verehrt werden.

So stellte der berühmte Farbholzschnittkünstler Hokusai (1760-1849) den Tempelbereich im frühen 19 Jahrhundert dar.

Eine gute Erläuterung findet sich hier: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten/Bekannte_Tempel/Asakusa

Hokusai ist in der Nähe des heutigen Standortes des Tempels geboren worden und lebte dort auch die größte Zeit seines Lebens.

Schon damals sind Tempel neben Orten der Verehrung auch Orte der Unterhaltung und des Vergnügens gewesen. Gerade Wallfahrts-Orte hatten immer auch diesen unterhaltsamen weltlichen Aspekt – bei uns, in Japan, in China, vermutlich überall. Das ist auch heute noch so.

Der Sensoji Tempel im November

Vom großen Eingangstor bis zum Tempel flanieren die Besucher an kleinen Läden mit Souvenirs und Süssigkeiten vorbei. Und immer wieder sieht man Japanerinnen im traditionellen Kimono, den man für den Besuch mieten kann. So fühlt man sich im Alltag in die eigene Geschichte zurück versetzt – und hat seine Freude daran.

Mutter und Tochter entdecken die Tradition

Dieses kleine Mädchen  wentdeckt, dass es Flügel haben kann und hüpft wie ein junger Vogel zwischen den Menschen herum.

Der beliebteste Platz für Erinnerungsfotos ist aber der große Lampion im Haupttor. Auch da möchte man fürs Foto gerne stilrein und historisch gekleidet sein

Mich beeindruckte dieses Treiben nicht so sehr.

Der Blick beim Gang zurück ins Alltagsleben nahm mich weitaus stärker gefangen, denn er zeigte, wie sich in Japan religiöse Stätten und Arbeits- und Lebensumwelt anschmiegen. Was auf dem Stadtplan wie ein eigener Bereich aussieht, wird erdrückt oder umhegt von modernen Leben.

 

 

Berührungsängste zwischen den unterschiedlichen Bereichen des Lebens gibt es im Alltag, im Wohnen nicht. Wer sich aus Standesgründen abgrenzt baut Mauern und legt Wassergräben an.

Eine Bahnstation oder etwa 15 Minuten Fußweg entfernt ist im vergangenen Jahr ein Museum für den verehrten Künstler Hokusai gebaut worden. Für diese Ikone einer Architektur, die Fortschritt und Zukunft signalisieren will, ist so viel Abstand von anderen Gebäuden eingehalten worden, dass man das Museum von allen Seiten sehen kann. Man könnte das als „Sichtmauern“ bezeichnen: sie stellen heraus, machen sichtbar.

Entworfen wurde das Museum von der vielfach preisgekrönten (u.a. 2010 mit dem Pritzker-Preis, dem „Nobelpreis“ für Architektur) Architektin Kazuyo Sejima (geb.1956).

Von meiner Seite wurde diese freie Fläche als Spielplatz ausgewiesen. Leer wirkte er am frühen Nachmittag. Für den namensgebenden Künstler ist die 4. Etage frei gehalten worden; es ist ein mittelgroßer Raum, in dem sich Originale mit digitaler Bildpräsentation abwechseln. Der Raum wirkt klein; er ist dunkel, nur erhellt von sichtstarken Spots, die Bildinseln an den Wänden und in Vitrinen heraus schneiden. Ich empfinde es als so kurios wie viele Bau-Situationen, an denen ich beim Gang zur nächsten Bahnstation vorbei kam.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Beieinander von alt und neu fand ich in allen Städten, die ich in Japan gesehen habe. Heißt das, das man einander respektiert, dass man miteinander lebt oder ist es eine selbstverständliche Machtdemonstration?

Ich hatte mehr Sympathie für ein Überbleibsel aus vergangenen Jahren, das nur wenige Schritte davon entfernt lag: ein Buchantiquariat (das auf einem Schild bat, nicht zu fotografieren, was ich aber erst wahrnahm, als das Bild schon im Kasten war). Natürlich ist das ein nostalgisches Gefühl. Ich habe mich trotzdem darüber gefreut.

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