Bern – Bundeshauptstadt mit wunderbar ausgefransten Ecken

Vom Bahnhof über die Lorrainebrücke zum Hotel am Victoriaplatz (das Marthahaus wirkt versteckt und verschwiegen, ist aber offen, gastfreundlich und international bunt) und zurück in die Altstadt über die Kornhausbrücke. Mich erfreute der Blick in die Tiefe auf ein Stück Bern, das ich so nicht in Erinnerung hatte.

Blick von der Kornhausbrücke

In einem „früheren“ Leben lebte ich sieben Jahre in Zürich und entdeckte während dieser zeit meine Freund am Schreiben über Kultur. Basel und Bern waren häufige Ziel. Von Bern blieben nur wenige Bilder, eher düstere, in der Erinnerung- Dies war ein freudiger Lichtblick.

Marktgasse

Die ersten Schritte durch die typischen Berner Altstadtgassen aktivierten sofort die Erinnerung.                                                                  In der Erinnerung noch nicht verankert waren die vielen Touristen, sie fluteten die Straßen. In meinem „früheren“ schweizer Leben hatte ich mich nur ausnahmsweise als Tourist gefühlt (zur Ferienzeit galt ich in den Cafés dann auch als Tourist). In Bern fühlte ich mich spontan als Tourist. Ein neues Gefühl. Ich gewöhnte mich ein wenig daran, verlor es aber rasch wieder, denn die Menschen, an die ich geriet, zogen mich in ihre Gespräche ein. Es gab zwar meist nur kurze, aber offene und herzliche Zuwendungen.

 

Drei parallele Straßenzüge charakterisieren das historische Bern und geben der Bundeshaupt-stadt ihr Gepräge. Rücken an Rücken stehen die Häuser nebeneinander und lassen  nur wenige Quergassen zu. Abwechslung – oder Orientierungspunkte – sind nicht leicht zu finden. Um zu wissen, wo man ist, geben die Brunnenfiguren Halt und Orientierung. Von ihren heraldischen oder allegorischen Bedeutungen wird dem Besucher kaum etwas mitgeteilt. Auch die schön bebilderte Internetseite hat für die Brunnenfiguren nur allgemeine Erläuterungen. Was beispielsweise ist mit dem Kindlifresserbrunnen (bei Wiki finden sich annähernde Angaben, die aber erst recht auf fehlende Erläuterungen heute verweisen). Die meisten Berner Brunnen-figuren sind statuarisch (verglichen etwas mit denen in Solothurn), sie tun sehr bedeutend, vielleicht „staatstragend“. Aber wir können sie kaum mehr denn als Schmuck verstehen.

Für mich etwa sichtbar an der sehr viel aufwändigeren Gestaltung der Justitia im reichen Bern gegenüber dem „bäuerlichen“ Bild in Solothurn.

Justitia in der Gerechtigkeitsgasse

 

 

 

 

 

 

 

Den Altstadtstraßen Berns habe ich abgeschaut wie rück-sichtsvoll wir heutzutage miteinander umgehen können. Da sind zum einen die Autofahrer, die sehr behutsam nur über die Kopfsteinpflasterstraßen rollen und bewundernswert ist die Ruhe und Nachsicht von Busfahrern_innen, vor denen ständig fotografierende Touristen stehen, die nie auf den Verkehr achten.

Die Massen von Touristengruppen, auffallend viele Asiaten, werden mit einem schweizer Lächeln ertragen und gerne wie verkleidete Könige behandelt. Sie lassen viel Geld in der Stadt und der Gewinn dafür ist die mehr als faire Behandlung durch die Bewohner der Stadt. In Bern ist mir (möglicherweise nur durch die hohe Zahl an Beispielen) aufgefallen, dass nicht die Hautfarbe Berner und Touristen trennt, sondern der örtliche Dialekt; ich habe nur Beispiele erlebt, bei denen eindeutig Zugereiste (vielleicht Flüchtlinge) und Berner ausschließlich im Dialekt miteinander kommunizieren.

Einsteinhaus in der Kramgasse

im dörflichen Bern – neuer look aus alten Materialien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Touristengruppen suchen kurze Wege, deshalb ist das Einstein-Haus in der Kramgasse immer von fotografierenden Gruppen belagert. Zwei Tram-stationen weiter (auch gut zu Fuß erreichbar) gibt es das Einsteinmuseum (groß beschriftet), aber keine Touristen als Fotografen oder Besucher. Den Schriftzug am Haus, das Einstein kurzzeitig bewohnte, ist eben auch ein guter Beleg für eine erfolgreiche Reise.

Mich zog es zu den Enden der Altstadt-Straßen – und da, wo die Aare die Altstadt umfließt, an der Nyleggbrücke und der tiefer gelegenen Untertorbrücke fand ich noch Erinnerungen an das dörfliche Bern und an die nahe Landschaft und Natur. Hierher findet es kaum noch ein Tourist. Hier begann ich mich richtig wohlzufühlen – und die mutigen Aare-Schwimmer zu beneiden, wie sie es den Enten gleich machten und gern unter der Wasseroberfläche die Strömung genossen.

An der Nydeggbrücke

Gärten von der Junkergasse zur Aare

 

Die Gärten, die steil von der „Oberstadt“ abfallen, konnte ich leiden nicht betreten; auf Grund von Bauarbeiten blieb mir nur der Blick von Weitem.

 

 


Die Dachlandschaften der Gassenhäuser bilden gerne eigene Dörfer oder Stadt-Strukturen. Sie ergeben Bilder wie aus alten Holzbaukästen, mit denen schon vor langer Zeit Kinder ihre ersten Häuser bauten. Es sind Gebilde für stumme und imaginäre Leben.

 

Wenn es gehen 19.00 Uhr geht, dann strömen nochmals Gruppen vor, vor allem, jungen Touristen durch die Straßen auf der Suche nach Stühlen, Bänken und Tischen für das Nachtmahl.

19.00 Uhr abendliche Touristen auf dem Heimweg

 

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