Eine mediterrane Oase – Jorge la Guardias 80. Geburtstag

Jorge la Guardia in seinem Atelier (2009)

 

Die Stadt, in der man geboren wird, führt einen behutsam in ihr Leben ein. Das Leben der Stadt wird ein Teil des eigenen Lebens. Mit Gleichaltrigen bildet man ein Myzelengeflecht, das das ganze Leben über hält. Selbst Zerstörungen vernichten es nicht wirklich.

Wer in eine Stadt zureist, muß sie sich wissentlich, bemühend erschließen.

Jorge la Guardia, 1937 in Granada geboren, kam 1961 ins ferne, unbekannte Deutschland, nach Hannover. Als ich nach Hannover kam, lebte Jorge schon 20 Jahre in der Stadt, die ich fast nur vom Namen her kannte. Als er für mich ein Teil Hannover wurde, lebte er schon über 40 Jahre hier und ich auch bereits zwanzig.

Seither habe ich viel von Jorges Persönlichkeit empfunden, aber kaum etwas von seinem biographischen Leben erfahren. Er war für Jahre der Mittelpunkt eines intensiven mediterranen und internationalen Lebens. Er teilte sich mir mit über das Essen, das in seinem Atelier zubereitet wurde bei künstlerischen Festen, über seine Finger, die der Guitarre vertraut fremde Laute entlockten, seine Stimme, die unverständliche Geschichten deklamierte und die Tänze, die zu seiner Musik von der „Familie“ beigesteuert wurden. Alles war selbstverständlich ein Teil meines hannoverschen Lebens. Inmitten überbordender Fröhlichkeit in seinem Atelier war er stiller Initiator und Teilhaber. Gesprochen haben seine Malereien von den Wänden, von denen ich den Eindruck hatte, er hätte sie nie gewechselt. Sein Atelier liegt weniger als 10 Gehminuten außerhalb der alten Stadtmauern, außerhalb vom Rotlichtviertel Steintor und hinter dem historischen Pestfriedhof, hinter einer schweren Holztür in einem „Zwischenbereich“ von Kleinstadt-Geschäftsstraße und enger, versteinerter La Mancha Gegend.

Jorge la Guardias Leben entstand aus Schlosserei und Kunstfertigkeiten. Er lebte immer von etwas, vielleicht am ehesten von seiner Liebe zur Kunst, zur Musik, zum Essen und zu Freunden. Ob er tatsächlich von seiner Kunst lebte und lebt, ist mir nicht bekannt – aber gefühlt würde ich es behaupten. Ob es zutrifft, dass er immer mal ein Auto voll mit Bildern belädt, nach Spanien fährt und seine Sammler beglückt und mit vollen Taschen zurückkehrt? Ich weiß es nicht, erinnere nur, dass es mir jemand erzählt hat; er selber vielleicht?

Heute feiert Jorge la Guardia seinen 80. Geburtstag. Ich werde ihn nach der Unterbrechung von einigen Jahren wieder sehen; es wird selbstverständlich sein und ich werde seine Anwesenheit fühlen und mit lange mit anderen Freunden sprechen. Jorge werde ich als einen Teil meiner Stadt immer mit dabei haben. Auf viele folgende Jahre.

p.s. Es gibt einen Wikipedia-Eintrag zu ihm und da findet man auch einen Hinweis auf eine Homepage. Man erahnt, dass beides eine Freundesgabe für ihn ist.

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