View to Renaissance Living – the City of Zamosc

this is what you see from Zamosc when you arrive by train

this is what you see from Zamosc when you arrive by Train

the train station of Zamosc

the train station of Zamosc

 

 

 

 

 

 

 

Die Fahrt nach Zamosc ist, ob man vom Süden aus Rzeszow oder vom Norden aus Lublin kommt, eine Fahrt in eine sich wohlig ausbreitende Landschaft, die bewohnt, aber kaum besiedelt genannt werden kann. Man scheint auf dem Weg ins Nirgendwo zu sein. Auch die Ankunft auf dem verschlossenen und verlassen wirkenden Bahnhof ist kein Zeichen von Lebendigkeit. Die Züge, die selten am Tag verkehren, beginnen oder enden hier. Es stiegen etwa ein halbes Dutzend Fahrgäste aus und das einzige Taxi neben dem Bahnhof war bereits weg, als unsere Rollkoffer um die Hausecke bogen.

Der Weg in die Vergangenheit und in eine immer noch belebte „ideale“ Stadt nach den Gedanken der Renaissance, eben nach Zamosc, ist nicht weit, aber man sieht erst einmal nichts von der Stadt. Statt dessen trat auf der anderen Seite der Straße ein Bär mit wiegendem Schritt vor eine Höhle. Mein Erstaunen war echt und ausreichend andauernd, dass die Wirklichkeit – es war ein Einblick in den örtlichen Zoo – der Überraschung nichts mehr nehmen konnte.

he was the first to greet me before noticing the walls of the town

he was the first to greet me before noticing the walls of the town

Die Stadt erscheint nicht gleich den Touristen oder Besuchern, die nicht mit dem eigenen Auto kommen, sie versteckt sich immer noch hinter hohen Wällen und rot gebrannten Ziegelmauern. Erdacht war sie als Idealstadt im Sinne der Renaissance vom Adeligen Jan Zamojski (1542-1605) und aufgezeichnet und designed vom italienischen Architekten Bernardo Morandi, der als 29jähriger aus dem Venezianischen in das damals unsichere und umkämpfte Gebiet zwischen den österreichischen und russischen Reichen kam.

Die Reissbrett-Stadt wurde aber wohl nicht vom Großen Marktplatz (100 x 100 m) und der Kirche her gebaut, sondern von einer mächtigen Burgmauer. Sie hielt während der Lebensjahre des Stadtgründers auch alle Feinde ab. Heute ist Zamosc eine Touristenstadt, vor allem Ziel polnischer Touristen, die so einen Bildungsurlaub nach Italien im eigenen Land absolvieren können.

immer noch eindrücklich sind die (restaurierten) Festungsmauern

Immer noch eindrücklich sind die (restaurierten) Festungsmauern

part of the fortress-walls

some of the fortress-walls

 

 

 

 

 

 

 

Jan Zamojski war zeit seines Lebens ein einflußreicher und vermögender Mann, der polnischen Königen auf den Thron half und dabei seine persönliche Bereicherung nicht vergaß. Sein Schloß war das erste Gebäude in der neuen Stadt, die nach heutiger Einschätzung eine Stadt des gegenseitigen Respekts in Glaubens- und Handelsdingen war.

Es fällt schwer, sich heute beim Gang durch die rechtwinklig angelegten Straßen, in die Zeit vor mehr als 400 Jahren zurück zu versetzen, an das selbstverständliche (öffentliche) Leben mit Reichtum und Prunk.

Das „Gesicht“ des damaligen Lebens, die Fassadenverzierungen der Häuser, wird heute leider dem vermeintlichen Wohlbefinden der Besucher geopfert. Die unteren Stockwerke sind von gleichmäßig aufgestellten und gleichmäßig unattraktiven Schirmen verdeckt (als Schutz gegen Sonne oder Regen). Die Klarheit des Platzes ist dahin und damit viel von der so sichtbar präsentierten „Idealität“ (= Gradheit und Zweckmäßigkeit).

Ich war einigermaßen froh, dass das Wetter nicht mehr sommerlich war. Dadurch blieb der Touristenstrom am Wochenende überschaubar und die Straßen neben den beiden Marktplätzen wirkten auf eine beruhigende Weise belebt.

two of five houses of wealthy Armenian Merchants

two of five houses of wealthy Armenian Merchants

Die Stadt bildete im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert durch das Schloß, die Ansiedlung reicher Kaufleute (Salzhandel) und durch eine universitäre Hochschule ein Zentrum geistigen Lebens. Da Juden, Christen (römisch + griechisch-orthodox) , Moslems gut miteinander auskamen war Zamosc auch ein Hort der Ruhe und des Friedens. Zwei Belagerungen überstand die Stadt, aber Zamojski verlor drei Ehefrauen, bevor er seine Dynastie mit einem Nachfolger sicher stellte.

Heute sind in drei der armenischen Häuser (genaueres über die früheren Besitzer wird nicht mitgeteilt) Teile eines gut arrangierten Museums zur Geschichte der Stadt untergebracht-

bedroom with bed in one of the Armenian houses

bedroom with bed in one of the Armenian houses

Einen kleinen Einblick bekommt man in die Größenverhältnisse und Innenausstattung – was Ahnungen über die Ästhtik ermöglicht.

a space of good proportions and beautiful decoration

a space of good proportions and beautiful decoration

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich kann mir gut vorstellen, wie luxuriös Raum, Decken, Fensterumrandungen und Wandbemalungen (die man noch in Buchstücken sehen kann) wirken mußten im Vergleich zur allgemeinen Armut der Menschen im 16. Jahrhundert. Der Luxus der Zeit war weit eher mit dem unserer Zeit vergleichbar, für das Alltagsleben gilt das nicht. – Wer eine Brücke von 1580/90 zu 2016 haben möchte, der sollte unbedingt durch die Museumsräume gehen. Man bekommt obendrein noch sehr eindrückliche Grafiken über die Wanderungsbewegungen der umliegenden Völkerstämme und den Warenaustausch. Auf dem Foto eines Grabes aus der späten Steinzeit werden die Herkunftsgegenden der Grabbeigaben angezeigt und da zeigt sich, dass schon damals die deutlich kleinere Welt weitläufig vernetzt war. Dass Luxus im Seltenen lag und beides zusammen den Antrieb für einen intensiven Warenverkehr gab, vereint sich dann rasch mit den Luxus des Wohnens in Zamosc vor dem Beginn des 17. Jahrhunderts.

ornamented couple at the house wall

ornamented couple at the house wall

wall decoration of Madonna and Jesus child

wall decoration of Madonna and Jesus child

 

 

 

 

 

 

 

 

Die farbigen Hauswände um den Großen Markt (Rynek) sind vermutlich die verständlichsten Dekorationen für die Besucher der Stadt: sie genießen Eis, Kuchen und Bier mit Blick auf das Rathaus, das den Platz beherrscht.

the town hall built in the 16 century and modified till the 18th

the town hall built in the 16 century and modified till the 18th

 

Wenige Schritte außerhalb des Ryneks, aber als Hausnummer ihm noch zugehörig findet sich das Geburtshaus von Rosa Luxemburg (5. März 1871).  Hier auf eine  Kämpferin gegen den Krieg und für Bildung und  soziales Engagement zu treffen, verweist auf  die lebendige jüdische Kultur nicht nur in Zamosc und auf die zu allen Seiten immer offen gewesene europäische Kultur. Nach Zamosc zu kommen und dort auf einen wesentlichen Ursprung deutscher Sozialgeschichte zu treffen, berührte mich tief.

in Zamosc was Rosa Luxemburg Born at March 5th 1871

in Zamosc was Rosa Luxemburg Born at March 5th 1871

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