Weit nach Osten – to the Ucrainian border – a stay in Przemysl

For English Information please read the lines under the photos. Because for this trip there was no Special reason there is not Special Story. And: I felt miserable because of a having cought a cold.

the train was an IC, not a slow one, but with stops in a lot of small stations, most without passengers leaving or entering

the train was an IC, not a slow one, but with stops in a lot of small stations, most without passengers leaving or entering

Es gab keinen einleuchtenden Grund, Przemysl in den Reiseplan aufzunehmen. Aber der Ort liegt an der Grenze zur Ukraine und die nächste Stadt, die ich kannte, war Lwow oder Lviv oder Lemberg, eine alte, traditionsreiche Stadt mit jüdischer Kultur. Da man dafür aber ein Visum für die Ukraine braucht, blieb es bei einem Ersatzbesuch der Grenzstadt Pzemysl.

flat country and a high sky

flat country and a high sky

Von Krakau zum Osten wird die Landschaft immer flacher, der Himmel immer höher. Nur die Kühe fehlen, um etwa an Ostfriesland zu denken. Die Landschaft wirkt wie verschlafen. Manchmal taucht eine farbige Brücke auf, manchmal auch eine barocke Kirche.

the landscape was cut from time to time by a colorful bridge

the landscape was cut from time to time by a colorful Bridge

 

 

 

Beim Betrachen der vorbeiziehenden Landschaft frage ich mich, was oder wieviel erzählt mir die Landschaft vom Leben , das ich nicht sehen kann. Zur Abwechslung ist die Landschaft erholsam für mich, auch wenn ich mich selbst bei Reisen meistens in Städten aufhalte. Bei solchen Gedanken fühle ich mich dann als Durchreisender, als Betrachter, als Tourist. Werde ich damit auch gleich zum Andenken-Jäger? Sicher nicht in dem Sinne, dass ich gleich in den nächsten stürme, der mich ja doch nur enttäuschen würde, denn Andenken sind sehr stark  auf den Erwartungshorizont der Ankommenden gerichtet, des Vorwissens und der Vorurteile, dass ich mich nur abwenden kann. Ich wünsche mir vom Reisen ein Fahren ins Unerwartete.

When no bridge was available you could see a barock church

when no bridge was available you could see a barock church

Die Grenzstadt Przemysl gehörte über zweihundert Jahre der Österreichischen Monarchie und von diesem Lebens- und Kulturstil ist sie auch geprägt. Die Kirchen sind, soweit ich das sehen konnte, barock geprägt, sogar die griechisch-orthodoxe.

Bei einem Gang durch die Stadt fallen ein paar Fassaden auf mit der Gestaltung des bürgerlichen 19. Jahrhunderts, andere haben ein Gesicht, das wenig Ausdruck hat, womöglich weil es längst abgewaschen oder übermalt wurde.

Das Leben ist ruhig – und damit nicht viel anders als in Oppeln oder Krakau (auch wenn dort die Touristen eine spürbare Unruhe hinein bringen) – es zwingt einem mehr einen langsamen Schritt auf, als dass es dazu verleitet.

some rare examples or bourgeoise houses from the end of the 19th century

some rare examples or bourgeoise houses from the end of the 19th century

 

 

a city with a lot of barock churches

a city with a lot of barock churches

Einen direkten Kontakt zur Geschichte der Stadt brachte nur das Hotel und seine Umgebung: als Hotel Accademia war es gebucht, aber alle Schriftzüge im Haus (an Türen, im Fahrstuhl) trugen noch den Schriftzug „Hotel Gromada 1937“. Im Internet fand ich zwar Eintragungen, allerdings nur auf Polnisch und der Schriftzug „diesen Text übersetzen“ führte leider nicht zu einer Übersetzung.

Im ersten Weltkrieg war die Stadt umkämpft, z.T. wie in einer Operette, weil der österreichische Leiter des Geheimdienstes, Oberst Redel, zugleich auch Chef der zaristischen Spionageabwehr war. – Was weiter mit der Grenzstadt nach 1918 wurde, schreibt die Autorin des „Reise Know How“ Reiseführers „Polen der Süden“, Izabella Gawin (1964 in Polen geboren, studiert in Bonn und Bremen), leider nicht. Sie springt gleich zum zweiten Weltkrieg weiter.

Vor dem alten Hotel Gromeda steht noch ein Bunker mit (nicht mehr originaler) Tarnbemalung und einem sehr frisch aussehenden Denkmal, auf dem sehr groß Katyn zu lesen ist und erst in der deutschen Übersetzung der Hinweis steht, dass es auch ein Denkmal für alle polnischen Deportierten ist. Das Zusammenspiel ist vielleicht, aber nicht sicher, ein Zufall. Aber aktuelle Politik findet (gerade im Hinblick auf Katyn) manchmal in Spiegelbild in den Denkmälern früherer Jahre.

aside the bunker a Memorial for Katyn and during WW2 deported polish people

aside the bunker a Memorial for Katyn and during WW2 deported polish People

 

 

in front of the hotel there was a bunker and the view to the new districts of the town of

in front of the hotel there was a bunker and the view to the new districts of the town of

 

 

 

 

 

 

Wie soll man es da in Przemysl mit dem „braven Soldaten Schweyk“ halten, den seinen Autor 1923 unvollendet ließ und an dem er seit dem Ersten Weltkrieg gearbeitet hatte? Der sitzt – mal wieder? – mit blank geputzter Schnapsnase Eulenspiegel-haft ganz in der Nähe des Marktplatzes (Rynek) und läßt den Fremden ratlos, wie er den „fremden“ Tschechen bei der aktuellen polnischen Fremdenpolitik einordnen soll oder wie er bei Aufstellung der Skulptur verstanden werden wollte.

a Schweyk Figur - a Memorial or a joke?

a Schweyk Figur – a Memorial or a joke?

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