Im Zug, vor dem Zug, aus dem Zug

1.März 2016

Notizen auf der Fahrt von Tokyo nach Hakata auf der südlichen Insel Kyushu, mit Fotos von mehreren Fahten mit dem Shinkansen

— sorry only in German, it’s a small essay about what went through my mind looking out of the Shinkansen window —

Shin-Yokohama-Nagoya (1)

Shin-Yokohama-Nagoya (1)

Das Fotografieren aus dem Zug ist Bild-Roulette. Sieht das Auge etwas, das es interessiert, ist es schon zu spät, die Kamera zu heben.
Fotografieren aus dem Zug ist ein Spielen mit der Erwartung. Warum aus dem Zug fotografieren?
Mich fasziniert die Bewegung der Landschaft, das sich Nähern und Entfernen der Hügel, das schwimmende sich Ausbreiten der Städte.
Vom Zug aus zeigen mir die Städte ihre Dimensionen, die Landschaften ihre Einsamkeiten, ihr Warten auf Wachstum, auf Leben.
Parkplätze mit gleichfarbigen Autos ziehen vorbei, zweistöckige Häuser spielen Monopoly. Die Einheitlichkeit ist grau oder okerfarbig, überragt von farbigen Schildern, von hageren Armen emporgehalten.
Ein schmales Haus zieht unter mir vorbei, gepunktet mit blauen Flächen, geriffelt und und deutlich darauf verweisend, daß Licht und Wind, Hitze und Kälte bitte draußen bleiben.
An linearen Häuserblocks springen Hosen, Jacken, Röcke, Strümpfe, Unterhosen, Schuhe auf und ab, spotten der Gleichheit der Fassaden.
Und nach dem breiten Flußbett mit wenig Wasser gibt es nur noch Flecken auf einer großen Fläche. An einem Hügel klettern Grabstelen fast bis zur Spitze hoch, ein künstliches Grau in der erdfarbig bedeckte Haut der entlaubten Bäume.
Wie beim Go Spiel besetzen die Häuser, mit breiten Hüften und hütenen Obergeschossen Felder, bis die Landschaft erobert und unterworfen ist.
Ein schwarzer Schnitt trennt die Bilder. Tunnel für den schnellen Shinkansen, dessen amerikanische Bezeichnung als bullit train nichts von Achtung gegenüber Landschaft und Lebensraum hat. Brückengeländer schneiden die Sicht, legen rasende Senkrechte über die Aussicht.
Der Zug fährt aufgeständert über dem zweiten Stockwerk, man sieht die Dächter der Häuser, die mit bescheidenen Mitteln gebaut wurden und Gefühlen von Geborgenheit.
Gewachsen ist hier nichts, gebaut alles, gesetzt auf Felder, das Land zu nutzen für Produktion, Gewinn und Export.
Tunnel – kein Weg hinab zu den Müttern, aber durch den Schoß der Erde. Darüber ahnt man die Quellen der Weisheit, die Brüste voller Meditation und Schweigsamkeit.
Nach dem Tunnel kommt die Landschaft oder die Stadt oder ein neuer Tunnel. Ziehende Langeweile, springende Einförmigkeit. Scheibenhochhäuser, Laufställe vor den Türen, hunderte Mal an mir vorbei gezogen, lächen einschmeichelnd wie des Igel „Ick bünn all do“.
Sie stand auf der Plattform im Bahnhof Hiroshima. Zufällig drehte ich meinen Kopf zum Fenster und sah ihren Blick. Ging er auf mich, ging er an mir vorbei? Ich ließ meinen Blick auf ihr und sie verbeugte sich leicht. Es irritierte mich. Meinen Kopf zur Rechten gewandt sass ein an den Schläfen ergrauter Mann in Businesskleidung, anonymisiert durch den bis zu den Augen hochgezogenen Mundschautz. Mein Blick ging wieder zum Bahnsteig. Sie stand noch da, blickte unverwandt. Ich war unverändert irritiert. Als der Zug sich langsam in Bewegung setzte, winkte sie.

Shin-Yokohama-Nagoya (2)

Shin-Yokohama-Nagoya (2)

Shin-Yokohama-Nagoya (4)

Shin-Yokohama-Nagoya (4)

Shin-Yokohama-Nagoya (6)

Shin-Yokohama-Nagoya (6)

Kyoto-Hakata (5)

Kyoto-Hakata (5)

 

Kyoto-Hakata (7)

Kyoto-Hakata (7)

Osaka-Nagoya (8)

Osaka-Nagoya (8)

Osaka-Nagoya (6)

Osaka-Nagoya (6)

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