Dejavu als Fingerprint

10.10.2015

Mit einer Übersichtsausstellung der amerikanischen Künstlerin Rita Mcbride stellt sich   Christina Végh, die die ketsnergesellschaft in Hannover seit dem 1.Mai leitet, als Kuratorin vor.

Ein kuratorisches Debut hat so seine Tücken: jeder will darin wie antike Auguren oder Haruspices die kommenden Erfolge sehen. Für jeden Debutanten ist das ein Eiertanz: strengt man sich besonders an, hat man nachher nur noch wenig zuzulegen und muß womöglich damit leben, dass man Erwartungen nicht erfüllt hat; geht man es aber gemächlich an, werden Qualität und Qualifikation rasch als zu wenig erregend klassifiziert. Man kann es gerade wieder an den Premieren im Theaterbereich erleben.

Blick in den unteren Saal, dir frühere schwimmhalle

Blick in den unteren Saal, dir frühere Schwimmhalle

Christina Végh wählte für ihr Debut eine amerikanische Künstlerin, deren Weg sie nach eigenen Aussagen seit ihrer Studienzeit verfolgte. Das Œuvre von Rita Mcbride (geb. 1970 in Des Moines, Iowa), mit dem die Räume der Kestner Gesellschaft bestückt sind, erstreckt sich über gut zwanzig Produktionsjahre. Frühe Arbeiten aus dem Ende ihrer Studienzeit tragen allerdings Jahrenzahlen wie 2011 (Parking lots von 1988), weil sie erst spät als Objekte gegossen wurden. Das lässt sie gedanklich und ästhetisch aus dem Zeit-Kontext fallen, definiert aber durchaus zutreffend den Grundton ihres Werkes als einer performativen Minimal Art.

Der erste Eindruck von der Schau ist ein angenehmes, zustimmendes Gefühl der offenen und umfangenden Räumlichkeiten. Die Räume sind sparsam besetzt und doch zugleich gefüllt. Eine gewisse Leichtigkeit empfindet man, weil einem nichts fremd oder unvertraut vorkommt. Mancher wird wohl sanft durch seine Seh-Biographie geführt. In allem herrscht ein déjà-vu vor; für fast jedes Objekt fallen einem auch andere Künstlernamen ein. Christina Végh meinte, „jede Skulptur verweist auf einen Prozeß“, erscheint als ein geistiger Durchlauferhitzer für neue Potentiale. Unausgesprochen verweist das auf die Arbeit des Betrachters, der den Objekten erst ihren Kunstcharakter zuschreibt.

Parking Garage 2011 (1988)

Parking Garage 2011 (1988)

Schlüssel, Plasmaschnitte

Schlüssel, Plasmaschnitte

Die Künstlerin selber formulierte es als „I like to play with hierarchies“. Über die Art der Hierarchien sprach sie aber nicht. Rita Mcbride bezog sich bei ihren, meist recht allgemeinen Erläuterungen und Assoziationen ausschließlich auf amerikanische Situationen und mit keinem Wort wurde die mittlerweile eineinhalb Jahrzehnte dauernde Anwesenheit der Künstlerin in der deutschen und europäischen Kunstszene thematisiert. Seit 2003, das vermerkt auch die Einladung, ist Mcbride Professorin für Bildhauerein in Düsseldorf und seit zwei Jahren auch Rektorin der Kunstakademie. Während der Pressekonferenz fiel aber von ihr kein einziges deutsches Wort. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass Werk und Ausstellung mit Oberflächen und Oberflächlichkeiten (etwa materialen) spielen und für sich auch Oberfläche bleiben. – Für Christina Végh vielleicht ein gutes Debut.

Christina Végh (lk) und Rita Mcbride

Christina Végh (lk) und Rita Mcbride

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