Mit einem K Zug von Rizhao nach Qu Fu

10.04.
Ich habe im Zug unter lauter Chinesen gesessen; was sollte man auch anderes erwarten. Um mich herum sassen viele Arbeiter, die mit gebräuntem und gefurchtem Gesicht große weiße Säcke mit irgend etwas Nützlichem in den Gepäcknetzen verstauten. Mir gegenüber sass ein älterer Mann, der mich kaum aus den Augen ließ. Er beobachtete, wie ich immer wieder etwas aufschrieb, dass ihm zwar vielleicht wie eine fremde Kalligraphie vorkam, aber nicht ganz geheuer war. Einmal nahm er mein Buch, drehte es zu sich und zeigte auf eine Uhrzeit, die ich aufgeschrieben hatte. Ich zeigte ihm die Uhrzeit auf meinem Handy. Als ich meine Reiseunterlagen mal in die Hand nahm, sah er chinesische Zeichen, nahm das Blatt und zeigte die Zeichen auch den beiden Nachbarn. Jetzt konnte er lesen, was da stand; Samstag nach Chongqing und Mittwoch nach Chengdu. Ich zeigte ihm dann noch die beiden Fahrkarten nach Tai Shan und Nanjing.

Hier ein paar meiner Notizen, die ich während der Fahrt über das machte, was ich aus dem Fenster sehen konnte:

Außerhalb von Rizhao ausgedehnte Landwirtschaft: kleine Felder, Felder mit Folienbedeckungen oder mit Folien bedeckten Gewächshäusern.
Vom Bahnhof bis zum Stadtrand wurden alle vom Zug aus sichtbare alten Siedlungen mit Reihenhäusern abgerissen. Neue Hochhäuser standen schon in der Nähe, im Rohbau oder halb fertig.
Auf den Feldern sieht man Grün (Frühlingszwiebeln und das, was man derzeit auf den Märkten kaufen kann).
Außerhalb von Rizhao sind die Dörfer noch unangetastet, sie werden noch nicht abgerissen. Schüttere Obstbaumbepflanzung.
Man sieht wenig Arbeiter auf den Feldern; meist einzelne Personen. Es ist 13.30 Uhr, vielleicht liegt es an der Mittagszeit.
Ein Friedhof.
Es wird grüner und es gibt mehr Obstbäume, aber immer nur kleinwüchsige Bäume.
Eingeebnete sanfte Hügel, wie eine ausgetrocknete Flußlandschaft.
Ein großer, ausgedehnter Friedhof, danach ein breiter Fluß mit steinernen Brücken; es kommt städtische Bebauung in Sicht.
Frische Gräber sind zum Teil ganz mit bunten „Elementen“ bedeckt, es sind farbenfrohe Hügel. Die Grabkegel sind immer aus grau-brauner Erde.
Die Dörfer bestehen nicht mehr als Langhäusern, die in Reihen stehen; eher in der Bauweise wir ich sie in Rizhao auf dem Weg zum Friedhof gesehen habe, als ummauertes Viereck.

Im Zug wird zwischen den Waggons und im Bereich der Toiletten geraucht. Schräg gegenüber isst eine Frau einen Apfel. Der obere Teil des Apfels scheint abgeschält worden zu sein (ihr Mann brachte ihn vom Wasserhahn mit) Sie beißt die Apfelschalen ab und läßt sie aus dem offenen Mund in eine Metall-Schale fallen, die auf jedem Tischchen für den Abfall steht.
Kleine fließende und stehende Gewässer, sie sehen aus wie verdreckte Tümpel. Ein Gräberfeld zwischen günen Feldern.
14:00 Uhr – mehr Menschen auf den Feldern. Kleine Herden von Ziegen und Schafen (immer als gemischte Herden).
Dreirädrige Fahrzeuge, aber keine Maschinen auf den Feldern. Breite Autostraßen, vierspurig, werden sind aufgeständert. Diese „Betonwege“ überqueren auf Stelzen die Felder. Sie nehmen kein Land weg, verteilen das Blei aus dem Benzin nur gleichmäßig über die Gemüsepflanzen.
14.:14 den ersten Traktor auf einem Feld gesehen.
Fischteiche, kleine Friedhöfe mit Pinien artigen Bäumen, – die nächste Stadt kündigt sich an.
Ein niedergerissenes Dorf, ersichtlich aus den Steinbrocken; die Erde wird gleich landwirtschaftlich genutzt, trotz der Steinbrocken..
Halt: Lin Yi
In den Peripherien immer wieder Abriß von Häusern.
Niedrige Berge, Steinterrassen, links ein Fluß. Schmale kleine Felder, darin zum Teil ein einzelnes Grab am Rande des Feldes, später auch Gräber mitten in den Feldern.
15:00 Fei Xian
felsiges Gelände, zwischen Brocken liegt rötliche Erde, teilweise werden die Felsenbereiche mit Erde aufgefüllt und dann beackert und bepflanzt.
16:00 Si Shui
die Häuser haben ummauerte Dachterrassen. Eine Fabrik von CUCC – was wir dort produziert?
16:22 Qu Fu


Eine Station vor Qu Fu kam ein Chinese an meinen Platz und fragte in Englisch, wohin ich fahren wolle, und bedeutete mir dann, ich müsse an der nächsten Station aussteigen. Ich wußte es selbst, aber es war sehr aufmerksam und nett von ihm. Ich hatte mir alle Stationen aufgeschrieben (mit Ankunftszeit) und den Ausstieg mit der Ankunftszeit abgeglichen. Außerdem wollten in meiner Sitzumgebung noch mehr Leute aussteigen, das hatte ich mitbekommen, als der Waggon-Schaffner am Anfang alle Fahrgäste nach dem Zielort fragte. Der Schaffner hätte mir aber sicher nicht vor Qu Fu Bescheid gesagt.
Kurz vor dem Ausstieg kam ein Mann (50?) aus dem vorderen Wagen und begrüßte mich mit Hallo und ließ mich zuerst aussteigen. Auf dem Bahnhof begann er ein Gespräch in Chinesisch. Immer mal wieder versuchte er ein oder zwei Wörter in Englisch einzuflechten. Das war aber kaum eine Hilfe. Ich hielt ihm meine Hotelreservierung vor Augen, denn offensichtlich lebte er in Qu Fu. Aber so ein Schreiben können die meisten nicht entziffern und umsetzen. Der Name des Hotels half nichts und die Anschrift auch nicht. Aber er ließ nicht locker, mir mit chinesischen Wörtern etwas erzählen zu wollen. Er fragte eine Frau nach Hotel und Adresse, die wiederum einen Mann fragte und beide konnten nicht helfen, dann sprach er mit einem Taxifahrer, die Frau kam wieder zurück und sagte etwas, wir stiegen in das Taxi und fuhren im Schritttempo in Richtung Stadt. Der Mann hatte die Telefonnummer des Hotels auf dem Zettel entdeckt und dort angerufen. Nun war der Weg dorthin klar. Er managte das Einchecken, brachte mich ins Zimmer und verabschiedete sich. Schon vorher hatte er abgelehnt, dass ich die Taxifahrt bezahlte. Und als Gastgeschenk überreichte er mir einen eingeschweißten Tee – einen Fisch-Tee meinte er. Vielleicht meinte er, einen frischen Tee. Er hatte mir mit englischen Wörtern erzählt, er hätte „Fisch“ mitgebracht. Ich habe den Tee oder Fisch noch nicht aufgemacht. Das will ich mir bis zu Hause aufheben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s