Altersheim im dörflichen Umfeld von Rizhao

7.04.

Auf dem Rückweg vom Friedhof am Cold Food Day machte die Familie Halt vor einem Altersheim im dörflichen Umfeld der Stadt. Der Eingang hätte von einem halb verfallenen Tempel stammen können, zumal von der Straße aus (mehr ein holpriger Feldweg) kaum etwas anderes zu sehen war. Wir betraten einen schmalen Flur in einem hell gestrichenen, neueren niedrigen Langhaus. Nach rechts gingen Türen zu den Zimmern der Alten ab. Die Tür des zu besuchenden Paares stand offen, aber niemand war im Zimmer. Die beiden Alten waren noch im Speisesaal. Wir machten uns auf den kurzen Weg dorthin. Aber da kamen uns die beiden Alten schon entgegen. Meine Kamera in der Hand hatte gerade nicht den richtigen Winkel, darum ist der alte Mann recht schräg gelungen.
Die dazu gehörende Frau (85 Jahre) war die Nichte der Tante dritten Grades der Ehefrau des Malers, meines Gastgebers diese Tages. Sie wurde aber einfach als Großmutter bezeichnet.
Die beiden Alten luden Laila und mich sehr liebevoll in ihr Zimmer ein. Wir wollten gerne folgen, aber erst einmal der Familie Zeit zum Austausch von Neuigkeiten geben und uns das Altersheim-Areal ansehen.
Wir trafen auf eine Frau mit Küchenschürze, die uns in ein großzügig dimensioniertes Haus einlud. Im Entree war eine Wand mit Fotos von Altersheimbewohnern. Die Altersstruktur erstreckte sich von 47 bis zu 93 Jahren. Am Ende der Fotoreihe war auch das Foto eines Kindes. Auf Lailas Frage erfuhren wir, dass es ein Waisenkind ist, das jetzt mit im Altersheim lebt. Im großen Essraum sassen noch zwei alte Männer. Sie hatte mehr Zeit zum Essen gebraucht, sahen uns ein wenig scheu und irritiert an. Aber mit einem Lächeln konnten wir sie beruhigen. Wir gingen zurück und trafen dabei auf den alten Mann, der auf der Suche nach uns war.
Ich wurde in einen der breiten schwarzen Stühle gepresst, einem der Ehrenplätze und fast alle anderen sassen auf den beiden Betten. Nun wurde munter weiter geredet und immer wieder ein paar Fragen an Laila und mich gestellt. Wir waren die „Neuigkeiten“ des Tages und wurden später gemächlich zum Tor begleitet. Als uns kurz vor dem Tor noch die Köchin und der Waisenknabe aus dem Fenster zuwinkten, herauskamen und sich herzlich verabschiedeten, wurden wir zum Altersheimgespräch und hatten auch denen, die uns nicht gesehen hatten, einen Tag mit Gesprächsstoff beschert.
Und wir nahmen nicht nur einen Einblick in das „späte Leben“ einiger Chinesen mit, sondern auch den Hinweis „Alte Menschen sollen Sport treiben“, der als großer Schriftzug neben den Bewegungsgeräten zu lesen war, die im Eingangsbereich des Altersheim standen. Es waren die gleichen Geräte, die ich auf allen meinen China-Reise in großen Städten gesehen hatte und die von Jungen wie Alten gleichermaßen benutzt werden: farbige Eisenkolosse, mit denen man Arme und Beine bewegen konnte. Der chinesische Satz konnte nicht nur mit „Alte Menschen sollen…“, sondern ebenso mit „Alte Menschen wollen…“ übersetzt werden. Da ist die chinesische Sprache freundlich und auffordernd zugleich – was durchaus den Charakter ihrer Nutzer widerspiegelt.
Als Ermahnung an die Besucher ist wohl der Satz “Behandelt alte Menschen gut“ zu verstehen, der an der Außenmauer hinter dem Kultur-, Ess- und Gemeinschaftszentrum stand. Dieser imposante Bau wurde übrigens von einer Bank gesponsert.
Auch wenn man in Rizhao im Umkreis des Sprachen-Colleges westliche Ausländer sieht, so ist man auf den Märkten, den Bazaren und sogar im Sportstudio (Bogenschießen) immer noch ein beliebtes Foto-Sujet. Auf dem Markt redeten die Leute mit mir munter drauflos, obwohl sie mich nicht verstanden und ich sie auch nicht. Aber das Gefühl, miteinander Kontakt aufgenommen zu haben, war entstanden.

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