Sprache und Sprechen – mit Ohr und Bild

17.03. Unter meinem einfach strukturierten japanischem Raum, der mir Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer ist, was ihn dann leider wieder seiner japanischen Klarheit beraubt, wird seit meiner Ankunft an der Gestaltung eines Cafés, das am Abend auch als Bar funktio- nieren soll, gearbeitet. Die Arbeiten werden zum Teil von der Betreiberin, manchmal gemeinsam mit ihrer älteren Schwester, und einem Schreiner getätigt, zu unregelmäßigen Zeiten und Tagen. Heute begannen Schreiner und Betreiberin schon gegen 8.30 Uhr mit Gesprächen und schlurfendem Hin- und Hergelaufe. Zu mir hinauf dringt dann ein Hörspiel. In hüpfenden Stakkato-Lauten entstehen kurze Sätze, meist aus dem holz- trockenen Ton des Schreiners. Seine Erzählungen werden begleitet von summenden Mmmhmm’s und gedämpft hellen Ohhhs. Dann folgen gerne AHHs, die wieder in Mmhhhs übergehen. Gelegentlich gibt es Bemerkungen der neuen „Haus- herrin“, kurz zumeist. Frauen streuen gerne ein Ahaha ein und lachen oft aufgesetzt laut und für meine Ohren unglaubwürdig. Ich habe, nicht erst heute, den Eindruck, dass die Gestaltung des Raumes erst beim Betreten und zu Beginn eines Arbeitstages besprochen wird. Vielleicht aber wird auch erst einmal durch Austausch von Neuigkeiten ein günstiges Arbeitsklima geschaffen. Wenn ich die steile Holztreppe herunter komme, sieht alles immer nach ernsthafter Tätigkeit aus. Oben erscheint es mir wie ein „Arbeits-Manga“. Vor einigen Tagen habe ich versucht, ein paar japanisch geschriebene Mangas zu verstehen – vergeblich. Die Bilder / Zeichnungen erschlossen mir keine Handlung. Aber sie zeigten mir, dass in Mangas über den Gesichtsausdruck erzählt wird. Es stehen überwiegend Köpfe in den Bildfeldern, die aus- druckslos den Betrachter anschauen und bei denen ich oft Kinn und Mund nicht unterscheiden kann, die aber immer einen sehr eigenen Ausdruck haben. Die ja eigentlich nur aus Umrissen bestehenden Figuren (von Hintergrund ist vielfach nicht viel zu sehen) können sehr individuelle Physiognomien haben; sie sind tatsächlich deutliche Charakterköpfe. In dem mir spontan gekommenen Wort „Arbeits-Manga“ verdichtet sich das Offene, Umrissartige und doch Ausdrucksstarke mit einem nur aus Lauten komponierten Inhalt, der die Wirklichkeit wieder- gibt, mir aber unverständlich ist. Die geräuschvollen und melodischen Sätze der japanischen Sprache hört man als Tourist im Alltag ja kaum oder nur sehr fragmentarisch. In den U-Bahnen oder Zügen, auch auf den Bahnhöfen und Straßen ist es relativ still. (Falls ich mir das nicht bloß einbilde.) Was uns typisch erscheint, ist das häufig sehr akzentuierte „hai-hai“, das vor allem beim Telefonieren auftritt, eine Bestä- tigung, dass man verstanden hat. Die japanischen Wörter lassen sich aus der lateinischen Umschrift recht gut nachsprechen, immerhin so deutlich, dass ,man auf Bahnhöfen und in U-Bahnen verstanden wird. Und viele Wörter sind Zusammensetzungen (manche ähnlich lang wie im Deutschen), die sich zum Verständnis gut wieder auseinander nehmen lassen. Mit ein wenig Mühe und einem besser ausgestatteten Gedächtnis müßte ich schon eine Menge japan- ischer Wörter sprechen können. Ich habe den Eindruck, dass es mir leichter fallen würde, Japanisch zu lernen als Chinesisch. Ob ich es versuche, ist damit noch nicht gesagt. Ich komme gerade aus dem Café der älteren Frauen (alle mit Kittelschürzen wie ich sie noch von meinen Großmüttern kenne, nur farbiger) und muß noch einen Nachtrag machen: Im Café höre ich die musikalischen Intermezzi der Redenden kaum. Da überlagern die Spülgeräusche (in diesen kleinen Cafés wird ständig das Geschirr gespült), die Musik, das Zeitungsrascheln diese kommunikative Sprachmelodig. Die Sätze hören sich dann eher an wie ein Querfeldeingalopp oder ein Motorcross – wobei meine Formulierungen möglicherweise meiner Zuschreibung einer Musikalität dieser Sprache geschuldet ist. Und nun noch ein paas sprechende oder auch sprachlose Bilder aus zwei verschiedenen Mangas.   Manga2_1

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