Nur das Bequemste

10.02.

“Nur das Beste“ stand über einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung, mit der ich am 3.02. nach New York flog. Er bezog sich auf die neue Nationalbibliothek von Rem Koolhaas für das Emirat Katar. In der gleichen Ausgabe gab es noch einen kleinen Artikel über den Brand einer Bibliothek der Akademie der Wissenschaften in Moskau. In dieser Bibliothek war auch das Deutsche Historische Institut untergebracht. Möglicherweise war ein Kurzschluß in dem wohl recht maroden Gebäude der Grund für den Brand, der starke Schäden hinterließ.
Das Deutschen Historischen Institut war seit seiner Gründung 2005 ein Treffpunkt deutscher und russischer Wissenschaftler – und das weist auf einen Aspekt für Bibliotheken hin, der über die Präsenz von Büchern hinaus geht. In Bibliotheken kann man sich treffen, um über einfache oder komplexe Themen zu sprechen. Bücher bilden dafür Flair und Ambiente zugleich.

library Motto

Das Motto zur rechten Seite des Haupteinganges: „Die wirkliche Universität ist eine Sammlung von Büchern“

Ich besuchte gestern die Bibliothek der Penn State Universität in State College und war beeindruckt von der räumlichen Großzügigkeit und von der Atmosphäre der Entspanntheit.
“Nur das Bequemste“ habe ich deshalb über diesen Text gestellt. Die Bibliothek besteht aus zwei Flügeln, einem neueren (Paterno Library) und einem älteren (Pattee Library). Ich wurde von einem Freund ausschließlich durch den älteren Teil geführt – und das war verwirrend genug.
Durch eine Bibliothek kann man nicht spazieren wie durch einen Park, denn eigentlich ist eine Bibliothek für die Suche nach etwas da. Wer nichts sucht, wird in State College zumindest einen Arbeitsplatz mit WLAN, Computern und viele Ruhezonen finden. In die Bibliothek kommen viele Studenten, um in einem der „schweren“ und „tiefen“ Sesseln zu dösen oder schlafen. Die Sessel könnten aus Hollywoods Filmarchiven stammen und die vielfach ausladenden Lehnstühle waren Urzeit Ikea Möbel aus einer Zeit um 1920. Manche Säle erschienen mir wie College Schlafsäle.

Eine von vielen Ruhezonen - mit Hinweis "quiet place"

Eine von vielen Ruhezonen – mit Hinweis „quiet place“

In den offenen, leicht zugänglichen Räumen der Bibliothek sah ich vor allem Studierende vor ihren Computern. Die Bücher an den Wänden blieben meist dort unberührt stehen.

Ein verlassener Arbeitsplatz

Ein verlassener Arbeitsplatz

Blick auf einen neugierigen Besucher

Blick auf einen neugierigen Besucher

 

 

 

 

 

Das ändert sich ein wenig, wenn man nach einem bestimmten Buch sucht; dann nämlich muß man durch breite Treppenhäuser oder, sehr anheimelnd, durch schmale und enge Treppenaufgänge (stacks) gehen, um in die meist niedrigen Bücher-Archive zu kommen. Dort stehen sie in langen Regalen dicht bei dicht. Kleine, enge Arbeitsflächen an den Fensterseiten ergeben spartanische Arbeitsplätze.
Auch wenn man im 3. Stock sitzt, fühlt man sich wie in einer Kata- kombe, abgeschottet von der Alltagswelt, hingegeben der Welt aus lesbaren Zeichen.

reading place - hier stehen die unterhaltenden Lektüren. Direkt am Durchgang "Freuds Mistresses"

reading place – hier stehen die unterhaltenden Lektüren. Direkt am Durchgang „Freuds Mistresses“

 

Einer von mehreren Ausstellungsräumen

Einer von mehreren Ausstellungsräume

Das Arbeitszimmer des Schriftstellers John O'Hara (1905-1970) als begehbare Ausstellung

Das Arbeitszimmer des Schriftstellers John O’Hara (1905-1970) als begehbare Ausstellung

 

 

 

 

 

 

Welch ein Unterschied zu der wie ein Colosseum wirkenden National-bibliothek in Beijing, die ich mit Respekt und Neugier vor drei Jahren besuchte. Sie war im Zentrum von unten bis oben offen. Man war Zuschauer und Akteur zugleich, wurde von lautlos durch die Räume gehende Kontrolleure ein- oder zurecht gewiesen und war nicht einmal an den Lese- und Arbeitsplätzen weg von der Welt.

Am kommenden Montag und Dienstag werde ich in der Bibliothek von Philadelphia sitzen und mich in die Welt von Alma Mahler-Werfel einlesen.

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