Veröffentlichte Meinungen

 

 

13.09.

 

Der Heldenplatz, am Ende des Diplomatenviertels gelegen und zwei Stationen vor Mexikói ut (der Straße nach Mexiko), dem Endpunkt der ersten Budapester U-Bahn, die auch die erste auf dem Kontinent war – dieser Heldenplatz, 1896 angelegt, wird umgeben von einem ausgedehnten Park, der sich sehr bescheiden Varosliget nennt, Stadtpark.

 

In diesem Stadtpark, durch einen großen Bus-Parkplatz von den bronzenen Helden getrennt, wird zum Ende des Sommers seit nunmehr 13 Jahren ein Open Air Posterfestival abgehalten. Eingeladen sind alle kreativen Köpfe und Hände, sich zu einem meist vage gehaltenen Thema zu äußern. Die Teilnehmer senden ihre Ideen anonym ein. Es gibt eine Jury, aber viel mehr Informationen habe ich trotz angegebener Web-Adresse und Google-Nachschlag nicht gefunden.

 

Auf einer englisch-sprachigen Tafel stand „exhibition on how we feel“ und in der Ausschreibung fanden sich die Sätze und Satzteile: „We are full of wounds, trauma, and scars. We have received them. Or we have caused them…We made each other enemies. We do not understand why others do not understand us…They are us too, Hungarians…What happened to us?“

 

Die auf große Tafeln aufgezogenen Posterideen (ca. 600 x 250 cm) geben keine Antworten, aber Denkanstösse. Verblüffend war für mich die Vielfalt der visuellen Sprachen und die mannigfaltigen Bildvorlagen. Es tauchten die Beatles, der französische Maler Courbet, realistische Fotos, Comic-Figuren und Werbevorlagen auf. Und daneben gab es eine Vielzahl an Sprach- und Typographie-Plakaten. Der erste Eindruck erinnerte mich an die Wucht der polnischen Theater- und Filmplakate in der noch jungen Nachkriegszeit in den 1950er Jahren. Die gut 100 Plakate (bei 80 hörte ich auf, Nummern zu notieren) sind nur in einer Minderheit freundlich humorvoll. Die meisten sind bitterböse, auch wenn sie mit einem breiten Lächeln daher kommen. Sehr viele sind ohne Kenntnis der ungarischen Sprache nicht verstehbar, strahlen vielfach aber doch eine Atmosphäre aus, die den Gedankenweg zumindest andeutet.

 

Ich habe fast ein Dutzend Beispiele ausgesucht, die die Bandbreite der Gedanken andeuten.

 

Die Ausstellung ist bei meinen bisher zwei Besuchen immer sehr gut frequentiert worden. Kleine und größere Gruppen von jungen Leuten reden über die „veröffentlichte Meinung“ ebenso wie Ältere und Alte. Aufmerksam wurde ich auf die Ausstellung durch das Zufallsgespräch mit einem etwa 70jährigen Ungarn.

 

Beim Betrachten meiner Fotos fiel mir auf, dass es so etwas wie eine Klammer zu diesen Meinungsäußerungen gibt: wenn man vom Heldenplatz kommt, steht eine riesige steinern-stählerne Trommel mit einer überdimensionierten Sanduhr am Weg und gleich danach liegt ein Gedenkstein schräg auf der Wiese, der an die Opfer den Ungarnaufstandes (1956) erinnert und neben dem eine Fahne flattert, die in der Mitte ein Loch hat. Für mich die Erinnerung an die aus Schwarz-Rot-Gold herausgeschnittenen Embleme von Hammer und Sichel.

da fehlt ein Stueck - zum Glueck ?!

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stiller Herzschlag der Zeit. Einmal pro Jahr muss diese Uhr aufgezogen werden.

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Ein kurzer Bildercorso

Erziehunng vererbt sich

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Ungarisches Märchen -in verballhorntem Ungar-Englisch

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eine Monopoly Variation. Im oberen Wort steckt "wüten, randalieren". im unteren "intelligent, klug". Ein guter Bausatz

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ohne Worte auch verstehbar

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das selbe Gesicht, drei Zuschreibungen. Ein Jewgaynazi Zombi?

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der englische Titel: beauty of the Hungarian language

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der sozialistische Spanienkämpfer, der Mahner und Autor Arthur Koestler - sitzend auf der (noch) geteilten Welt

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