Wilhelm Schürmann, Bilder aus Deutschland, Fotografien Sprengel Museum Hannover

Wilhelm Schürmann, geb. 1946 in Dortmund, brachte ein amerikanisches Sammlerehepaar (jüdisch und mit deutschen Wurzeln) von Basel mit dem Auto ins Atelier von Anselm Kiefer, irgendwann in den 1980er Jahren. Sie fuhren den Rhein entlang zum Odenwald. In der gedanklichen Auseinandersetzung mit einem Paar, dessen Familie durch die Nationalsozialisten zerstört wurde und die dennoch nach Deutshcland zurück kommen und die junge deutsche Kunst erleben wollten, nahm Schürmann die Landschaft intensiv und in einem neuen Blickwinkel war. „Mein Gott, ist das deutsch“ ging es ihm durch den Kopf.

In der Pressekonferenz zu einer Präsentation von Fotoarbeiten aus den 1970er Jahren im Sprengel Museum sagte Schürmann: „Ich hoffe, dass ich mal ein Foto machen kann, das ich auch als „typisch deutsch“ ansehe.“

Die Auseinandersetzung mit dem „deutsch Sein“ ist für ihn eine Auseinandersetzung mit dem Bild, genauer vielleicht: mit der Ästhetik des Lebensumfeldes. Schürmann erklärt sein Leben als Fotograf, als Galerist und als Sammler immer wieder durch Bilder, gemalte oder fotografierte, durch Ab-Bilder also. Sein Credo würde sein: „Du sollst dir ein Bildnis machen von Deiner Umwelt“. Das nüchterne Aufzeichnen „dies ist es, was dich prägt und bestimmt“ führt ihn zu einer Bildsprache, die nicht interpretiert, sondern zeigt.

Die Ausstellung zeigt eine Welt ohne Hektik, eine Welt voll mit Dingen und wenigen Menschen. Man hat durchaus den Eindruck, dass es eine Welt von Spielzeug-Architekturen ist, mit sehr realistischen Fassaden. Diese Fotografien eröffnen einen emotionalen Raum, in den der Betrachter eingehen kann – möglicherweise aber nur derjenige, der auch in diesen Räumen einmal gelebt hat.

Für mich hat Schürmann mit seinen Fotografien und seinem sanften Ruhrpott Dialekt ein Abbild meiner Jugend gezeichnet; ich kann in seinen Foto-Räumen spazieren gehen. Und wenn man mit ihm in die architektonischen Landschaften eintritt, dann definiert man selbstverständlich und unbewußt den eigenen Standort, ein Verwurzeltsein, das nicht abhängig ist vom aktuellen Wohnort. Schürmann zeigt, was uns umstellt und wie es uns umstellt; er definiert auf visuelle Weise, ob wir uns bedrückt oder frei fühlen.

„Meine Freiheit war, auf der Straße rumzurennen und meine Fotos zu machen“, sagte er und erzählte dann immerzu, welche unglaublichen Entdeckungen er bei Treffen mit anderen Menschen machte, bei Josef Sudek in Prag beispielsweise, dessen Geschenk von drei Abzügen ihn im Dezember 1974 zum Sammler machte.

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Ein Gedanke zu „Wilhelm Schürmann, Bilder aus Deutschland, Fotografien Sprengel Museum Hannover

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