Maria Lassnig – Der Ort der Bilder, Deichtorhallen Hamburg

(Kunst Ausstellungen]

Maria Lassnig. 93 Jahre ist die österreichische Malerin alt; gerade hat sie den Goldenen Löwen in Venedig für ihr Lebenswerk erhalten. Sie hat sich immer nach solchen, großen anerkennenden Gesten gesehnt. Nun aber ist sie nicht mehr in der Lage, lange Reisen auf sich zu nehmen, um sie entgegen zu nehmen. Das Glücksgefühl, zum Ende ihres Lebens doch noch die Bestätigung für ihre künstlerische Topqualität zu bekommen, muß sie nun für sich alleine genießen, ohne ein Bad in der Menge.

Zu Maria Lasssnigs Werk gehörte es, dass es mit sehr viel Abstand beachtet und beobachtet wurde; ihr Stil, ihre Farben und ihre Sujets passten nie wirklich in die jeweils aktuelle Kunst. Ihre Kunst war immer an den Randbereichen der Szene angesiedelt. Maria Lassnig selbst wußte immer, dass ihre Kunst das Zentrum der Zeit war; an Selbstbewußtsein hat es ihr nie gefehlt, auch an Talent, Wissen und Fleiß nicht. „Ich war immer ein regelmäßiger Arbeiter“, sagte sie mir vor dreizehn Jahen in einem längeren Gespräch. Erklärungen zu ihrer Kunst gab sie (öffentlich) nur ungern. „Ich habe alles schon vorher geschrieben, deshalb ist es mir jetzt langweilig (zu erzählen)“, schob sie gerne hinter abrupt wirkende Aussagen.

Maria Lassnigs Kunst lebte und lebt in ihr: „Ich bin ein Anhänger von Freud und glaube an das Unbewußte. Ich gehe ohne Gedanken an die Malerei und warte bis das Bild kommt. Ich benütze den Körper zur Analyse. Ich schaue mich nicht im Spiegel an, ich horche in den Körper hinein.“

Mit solchen Sätzen hat sie schon fast alles umschrieben, was ihre Kunst und ihr künstlerisches Gestalten ausmacht. Das Ergebnis auf den Leinwänden schließt aber immer weit mehr ein, als nur die ‚Seelenschau’; ihre Arbeiten sind auch eine Analyse der gesellschaftlichen Situation. Ihre Bilder zeigen es und ihre Titel verraten es in Form verbaler Vexierbilder.

Die Hamburger Deichtorhallen präsentieren Maria Lassnig in einer umfangreichen Retrospektive mit rund 113 Exponate von 1945 bis 2012 und zwei Filmen aus den 1970er Jahren. Außerhalb von Österreich findet man selten mehr als einzelne Werke der Malerin in Museen. Mir gegenbüber hatte sie Ende 2000 von Ausstellungen in Hamburg, Düsseldorf, Franfurt, Berlin und Stuttgart gesprochen, aber auch hinzugefügt: „Kein Museum hat zugegriffen und kein großer Sammler. Es war auch keine richtige Galerie hinter mir. Ich habe das Gefühl, dass die Galeristinnen es einem nicht gönnen.“ Klagen war eine Form der Kommunikation und des Humors für sie, so sagte es in Hamburg Günther Holler-Schuster, der Kurator der vorangegangenen Grazer Ausstellung, im Gespräch. Die Grazer Ausstellung ist der Nucleus der Hamburger Retrospektive, sie bestand nahezu ausschließlich aus Arbeiten, die die Künstlerin in ihrem Atelier für sich behalten hat. Diese ‚Grazer Retrospektive’ ist somit auch eine Art Selbstportrait der Künstlerin. Der bedeutend größere Raum der Deichtorhallen gebot es, dieses ‚Selbstportrait’ durch Leihgaben aus der Albertina, dem Belvedere, der Sammlung Hesel, dem Museum der Gegenwartskunst (Siegen) und weiteren Leihgebern zu ergänzen. Durch diese Ausstellung überblickt man das sich immer wieder wandelnde Werk Maria Lassnigs, ebenso wie die sichtbaren und spürbaren Konstanten. Und man spürt die Kraft, die diese Malerin in ihre Werke legen konnte. Die Ausstellung wird präsentiert wie ein Labyrinth, das ja für die Kulturen dieser Welt entweder ein mystischer Bereich zwischen Leben und Tod ist, den man auch mehrfach durchschreiten kann, oder ein Zugang mit Haupt- und Nebenwegen zu einem Zentrum, das Erkenntnis, Kampf und vielleicht Tod bringt. Nonverbal ist damit auch vieles von Gehalt und Gestus des Werks von Maria Lassnig vermittelt.

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